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Westfalen-Blatt: Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld) zu Tom Cruise und seiner Rolle als Claus Schenk Graf von Stauffenberg

Bielefeld (ots)

Weil der Scientologe Tom Cruise den
Hitler-Attentäter Claus Schenk Graf von Stauffenberg spielt, leisten 
Verteidigungsminister Franz Josef Jung und Politiker von Union und 
FDP Widerstand. Im Bendlerblock, dort also, wo der Aufstand des 
Gewissens hingerichtet wurde, habe das Mitglied einer autoritären 
Sekte nichts zu suchen, meinen sie.
Wäre der Schauspieler dagegen Friedensaktivist, Anwalt der Armen oder
Kämpfer für die Rechte der Tiere, würden dieselben Leute den 
45-Jährigen mit offenen Armen empfangen. Die hitzige Diskussion rund 
um den Film »Valkyrie« ist deshalb scheinheilig, weil hier 
unzulässigerweise Beruf und Privatleben vermischt werden.
Um es klar zu sagen: Natürlich darf Tom Cruise Stauffenberg spielen, 
denn er tut es als Darsteller, nicht als Scientologe. Es ist nur eine
Filmrolle, sein Job. Deutsche Politiker tun gleichwohl so, als wäre 
Stauffenberg ihr Eigentum und sie dürften Einfluss darauf nehmen, mit
wem Hollywood ihn besetzt.
Wenn sich Angehörige der damaligen Widerstandskämpfer, wie 
Stauffenbergs Sohn Berthold, an Cruise stören, ist das ihr gutes 
Recht. Sie sind persönlich betroffen, dürfen vor einem möglicherweise
kitschigen Film warnen und davor, dass ein Scientologe vielleicht 
besser nicht den Hitler-Attentäter spielen sollte. Politiker als 
Wahrer des Pluralismus, der Gedanken- und Meinungsvielfalt und der 
Freiheit der Kunst sollten dagegen fein säuberlich trennen zwischen 
privaten Ansichten eines Stars und dessen Auftritt in einem Film. 
Wird jeder Darsteller künftig erst daraufhin unter die Lupe genommen,
was er denkt und woran er glaubt, bekommen wir die 
Gesinnungsschnüffelei.
So aber erhält in diesen Wochen die Sekte Scientology kostenlos 
Werbung. Das hat sie nicht verdient, denn bei ihr handelt es sich um 
eine obskure Organisation, die den spinnerten Lehren ihres Gründers 
Ron L. Hubbard folgt, sich als Elite der Menschheit versteht und für 
das Bewusstsein, etwas Besseres zu sein, kräftig bei den Mitgliedern 
abkassiert.
Sollte Tom Cruise während der Dreharbeiten und beim Marketing für den
Film vehement für die Sekte werben, kommen Politiker und vor allem 
die Medien wieder ins Spiel. Wohlgemerkt erst dann haben sie die 
Pflicht, über Scientology aufzuklären, damit Cruise seinen 
Prominentenstatus nicht instrumentalisieren kann.
Zurück zum Film: Die hochkarätige Besetzung bietet eine große Chance 
für Deutschland. Angesichts der, vorsichtig ausgedrückt, lückenhaften
Geschichtskenntnisse der Amerikaner wird »Valkyrie« der Bevölkerung 
bei Cola und Popcorn im Kino die Tatsache vermitteln, dass es 
zwischen 1933 und 1945 nicht nur unverbesserliche Nazis gab. Dieser 
einseitige Eindruck wurde leider durch viele Hollywood-Produktionen 
wie die »Indiana Jones«-Filme noch verstärkt. Bei »Valkyrie« muss das
Bild zwangläufig differenziert ausfallen. Amerikaner lieben Helden, 
und Claus Schenk Graf von Stauffenberg war einer. Das bleibt auch so,
egal wer ihn auf der Leinwand spielt.

Pressekontakt:

Rückfragen bitte an:
Westfalen-Blatt
Nachrichtenleiter
Andreas Kolesch
Telefon: 0521 - 585261

Original-Content von: Westfalen-Blatt, übermittelt durch news aktuell

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