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Neue Westfälische (Bielefeld): Kommentar: Raucher muss aus Mietwohnung ausziehen Neue Härte HUBERTUS GÄRTNER

Bielefeld (ots) - Es gibt Dinge in unserer Gesellschaft, die sich zum Guten verändern. So ist es im Laufe der Jahre zweifellos einfacher geworden, sich als schwuler Mann oder als lesbische Frau zu outen. Auch Andersgläubige können hierzulande auf etwas mehr Toleranz hoffen. Viele Bürger kümmern sich weniger um das religiöse Bekenntnis des anderen, manche haben schon selbst gar keines mehr. Völlig anders, fast schon umgekehrt und eifernd, verhält es sich aber beim Tabak. Wer am helllichten Tag noch genüsslich an Zigaretten, Zigarren oder Pfeifen saugt, wird mit zunehmender Intensität und Aggressivität als "Gefährder" betrachtet. Das gilt sogar für den Fall, dass er seinem Laster nicht verbotenerweise in Kneipen und anderen geschlossenen Räumen, sondern unter völlig freiem Himmel und bei einem lauem Lüftchen frönt. Böse Blicke sind dann mindestens garantiert, manchmal auch verbale Anraunzer: "Setzen Sie sich gefälligst woanders hin!" Die neue Härte gegen Raucher hat nun auch der Rentner Friedhelm Adolfs (75) zu spüren bekommen. Weil er offensichtlich wie ein "Weltmeister" (sic!) gequalmt und weder seine kleine Mietwohnung gelüftet noch die Aschenbecher geleert hat, muss er dort nun nach 40 Jahren ausziehen. So hat es das Düsseldorfer Landgericht in zweiter Instanz entschieden. Vielleicht wird die Sache auch noch den Bundesgerichtshof beschäftigten. Besser wär's - für die Rechtssicherheit. Vielleicht hatte es der Herr Adolfs wirklich etwas übertrieben und zu wenig Rücksicht auf seine Nachbarn genommen. Vielleicht hatte er den Konflikt sogar provoziert. Dann geschähe ihm recht! Gewiss dürfen wir auch die Gefahren des Rauchens nicht leichtfertig unterschätzen. Lungenkrebs, Arterienverkalkung, Schlag- und Herzanfälle stehen mit der Qualmerei vieltausendfach im Kausalzusammenhang. Trotzdem wäre uns allen allmählich wieder mehr Gelassenheit zu wünschen. Beim Umgang mit Rauchern. Und beim Gedanken an die eigene Endlichkeit.

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