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Neue Westfälische (Bielefeld): Kommentar: Russland und die Ukraine Der hilflose Westen ALexandra Jacobson, Berlin

Bielefeld (ots) - Die Hoffnung stirbt zuletzt, sagt der Volksmund. Und natürlich darf man die Hoffnung nicht aufgeben, dass sich Moskau im Konflikt um die Ukraine gesprächsbereit zeigt. Dass sich also Wladimir Putin an einen Tisch setzt mit dem ukrainischen Premier Arseni Jazenjuk und mit Vertretern der EU, um im friedlichen Dialog herauszufinden, was das Beste für die Ukraine ist. Doch wie dieses Wunder Wirklichkeit werden kann, bleibt ein Rätsel. Auch ein Vollblutdiplomat wie Außenminister Frank-Walter Steinmeier, der einst als besonders kundiger Russland-Versteher galt, macht momentan einen hilflosen Eindruck. Der Westen scheint mit seinem Latein am Ende zu sein. Die EU-Außenminister wollen ihre Visa-Verhandlungen mit Russland auf Eis legen. Wenn sich Moskau weiter störrisch zeigt, könnte gar der G-8-Gipfel in Sotschi ausfallen - dass Putin deshalb zu zittern beginnt, ist nicht zu erwarten. Putin wird weiter "Kalter Krieg" spielen und das noch ältere Spiel um Einflusssphären und die Sicherung von Vorhof- und Hinterhofstaaten. Grenzen kümmern ihn dabei wenig. Dass Russland 1994 die territoriale Integrität der Ukraine in einem Vertrag anerkannte, besitzt aktuell keinerlei Bedeutung. Und man muss nicht sonderlich pessimistisch gestimmt sein, um die Vorhersage zu wagen, dass eine russische Invasion auch in der Ostukraine wahrscheinlich ist. Und natürlich wird die Ukraine diesen kalten Machtspielen letztlich hilflos ausgeliefert sein. Denn der Westen wird in der Konfrontation mit Russland kein militärisches Abenteuer wagen. Das ist auch gut so. Alles andere wäre glatter Wahnsinn. Aber trotzdem bleibt es zutiefst unbefriedigend, dass sich hier ein Regime in Europa um Verträge, staatliche Souveränität und Diplomatie nicht kümmert und unter fadenscheinigen Gründen einmarschiert und Fakten schafft. Wenn doch bloß jemand wüsste, wie man Wladimir Putin beibringt, dass der Kalte Krieg vorbei ist.

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