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Neue Westfälische (Bielefeld): Kommentar: Schwarz-gelbe Umfragewerte Die Kunst der Geschmeidigkeit ALEXANDRA JACOBSON, BERLIN

Bielefeld (ots) - Betrachtet man neuere Umfragen, ergibt sich ein interessantes Bild. Die Union gewinnt moderat hinzu. Die FDP verharrt dagegen wie einbetoniert mit vier, höchstens fünf Prozent im Umfragekeller. CDU und CSU profitieren offenbar von der wieder wachsenden Beliebtheit der Kanzlerin. Was Angela Merkel sonst stets als nachteilig vorgeworfen wird, scheint ihr jetzt eher zum Vorteil zu gereichen: Dass ihre Politik ohne eine einzige packende Vision auskommt, stört momentan eher weniger. Es ist mal wieder "Keine-Experimente-Zeit" in Deutschland. Dafür ist Merkel, die Meisterin der Trippelschritte, wie geschaffen. Keiner weiß so recht, wie robust der Aufschwung tatsächlich ausfallen wird. Die im Hintergrund schwelende Eurokrise trübt den Optimismus. Merkel selbst tastet sich vorsichtig vor und verspricht außer der Wahrung deutscher Interessen wenig bis gar nichts. Das kommt offenbar an. Die FDP leidet nicht nur an ihrer Führungskrise. Die Umfragewerte bleiben schlecht, obwohl die Liberalen derzeit die parteipolitische Profilierung für sich gepachtet haben. Jedes Thema wird zur alles entscheidenden Grundsatzfrage. Alle sollen merken, dass es die FDP noch gibt. Gegen den erklärten Willen von Finanzminister Wolfgang Schäuble setzt die FDP etwa eine Steuersenkung von 2,90 Euro pro Monat durch. Doch bei den Wählern bleibt die Begeisterung aus. Eifrig blockieren die Liberalen in den Hartz-IV-Verhandlungen den Mindestlohn für Zeitarbeiter. Obwohl sogar die Arbeitgeber diesen längst befürworten. Die FDP wirkt manchmal wie ein trotziges Kind, das mit dem Fuß aufstampft. Das macht die Partei allerdings nicht sympathischer. Zum Regieren gehören Erdung, Erfahrung - und auch eine gewisse Kunst der Geschmeidigkeit. Bei Letzterer könnte sich die FDP eine Scheibe von Angela Merkel abschneiden.

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