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Neue Westfälische (Bielefeld): Kommentar zur Türkei-Reise Christian Wulffs. Der unterschätzte Präsident, THOMAS SEIM

Bielefeld (ots) - Es war Mode geworden, den neuen Bundespräsidenten Christian Wulff als zweite Wahl zu charakterisieren. Zu jung, zu politisch, zu provinziell - so ungefähr lauteten die schnellen Urteile der politischen Journaille in Berlin. Die Beobachter waren verliebt in Joachim Gauck, der so eloquent vortragen kann, in gesetztem Alter ist, aus dem Osten stammt und eine beeindruckende Biographie hat. Tatsächlich gab es Ungeschicklichkeiten für den und des Präsidenten. Zum Beispiel die, dass seine Partei ihm keine Mehrheit im ersten Wahlgang besorgte. Auch dass Wulff sich der "Sache Sarrazin" wie ein Politiker statt wie ein Präsident annahm, sorgte für Kritik. Schließlich wartete alles auf seine Haltung zum Thema Integration, die er als sein Schwerpunktthema wählen wollte. Dies hat er nun in beeindruckender Weise getan. Er nutz-te den Tag der Einheit, um allen Menschen in diesem Land - auch den zugewanderten - eine gemeinsame Plattform zu geben. Nun machte er auf seiner Türkeireise den Türken klar, dass Integration und Toleranz keine Einbahnstraßen sind. Sein Eintreten für die Christen in der Türkei ließ keine Frage offen. Immer weniger reden noch von Sarrazin und dessen effektheischenden, verkaufsfördernden dünnen Thesen. Und das ist auch gut so. Christian Wulff hat als politisches und doch unabhängiges Staatsoberhaupt Profil gewonnen. Auch das ist gut so. Nach gut 100 Tagen im Amt zeigt sich: Der neue Präsident ist unterschätzt worden.

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