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Ostsee-Zeitung: Kommentar zu Obama und Afghanistan

    Rostock (ots) - Wenn Amerika einen nationalen Urschmerz kennt, dann rührt er aus dem Vietnam-Trauma. Und doch scheint es, als ob Amerika fast 35 Jahre nach der Flucht seiner letzten Militärberater aus Saigon wenig aus der historischen Niederlage gelernt hat. Zugegeben: Vergleiche hinken. Dennoch drängen sich Parallelen auf. So wie der oberste US-General Stanley McChrystal nach Zehntausenden Mann Verstärkung für Afghanistan rief, bekam sie damals auch Vietnam-Oberbefehlshaber William Westmoreland. So wie Amerika in den 60ern mit dem Versuch einer "Vietnamisierung" des Krieges scheiterte, versuchen die Alliierten am Hindukusch seit Jahrenden Blutzoll auf heimische Armee- und Polizeikräfte zu verlagern. Und beide Kriege - sowohl der in Vietnam als auch der in Afghanistan - genossen anfangs die Unterstützung einer Bevölkerungsmehrheit in der westlichen Welt. Doch nach mehr als acht Jahren Kampf ist das Meinungsbild selbst in den kriegsgewöhnten USA gekippt. Dass Obama dennoch mehr Soldaten nach Zentralasien schickt, wird seinen Ruf als Hoffnungsträger für eine bessere Welt weiter schmälern. Der Afghanistan-Krieg ist nun nicht mehr allein das schmutzige Erbe der Bush-Ära. Dass ein Friedensnobelpreisträger in den Krieg zieht, ist schon irgendwie schizophren.

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