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stern TV - Mittwoch, 31.10.2012, 22:15 Uhr - live bei RTL, Moderation: Steffen Hallaschka

Köln (ots) - Diskussionsrunde bei stern TV: Wie finden Soldaten nach dem Afghanistaneinsatz zurück ins zivile Leben?

Sieben Monate lang war der Fallschirmjäger Johannes Clair in Afghanistan im Einsatz. Bei einem Gefecht lagen der 27jährige und seine Kameraden vier Tage lang unter Dauerbeschuss. Bei stern TV sprach er über die Zeit danach: "Das große Problem für Soldaten ist, wenn der Kameradenkreis auseinanderbricht. Wenn man in die Situation kommt, das Erlebte nach außen tragen zu müssen, zum Beispiel dem Partner gegenüber oder dem zivilen Freundeskreis. Dann gibt es ein ganz großes Problem: Mir fiel es wahnsinnig schwer, das Erfahrene zu vermitteln." Clair bei stern TV weiter: "Für mich war das Erleben der Angst während des Gefechts unheimlich. Nach dem Gefecht aber habe ich unglaublich positive Gefühle erlebt. In dem Moment, wo der Feuerkampf vorbei war, war das fast wie ein Rausch. Ein Rausch an positiven Gefühlen. Ich kann mir das nur aus diesem Adrenalinkick erklären." Seine Erfahrungen hat Clair, der von sich selbst sagt, nicht traumatisiert zu sein, in einem Buch veröffentlicht.

Laut Dr. Kornelia Sturz, Leiterin der Dresdner Klink am Waldschlösschen, in der zurzeit 68 Trauma-Patienten, darunter 10 Bundeswehr-Soldaten behandelt werden, scheint Johannes Clair tatsächlich gefeit gegen die Posttraumtische Belastungsstörung (PTBS): "Weil er seine Erlebnisse verarbeitet hat. Er hat während der traumatischen Situation und hinterher seine Gefühle wahrgenommen und ausgedrückt. Er hat ein Buch geschrieben und ein Erfolgserlebnis gehabt. Das sind alles gute Bedingungen und Schutzmechanismen, um keine PTBS zu bekommen", stellte die 58jährige Medizinerin bei stern TV fest.

Bei Peter Freyer ist das anders. Vier Einsätze in Afghanistan hat der 36jährige Ex-Feldwebel erlebt, 13 Monate war er insgesamt in dem Land. Als er im April 2010 im Fernsehen Bilder von der Beerdigung dreier gefallener Kameraden sah, erlitt er einen Zusammenbruch. Ein Jahr lang war er in stationärer Behandlung. Geheilt ist Freyer nicht. Für ihn macht der Einsatz keinen Sinn: "Ich sehe dort keinen Erfolg. Es ist ein Fass ohne Boden. Es wird immer mehr Geld in diesen Einsatz gepumpt und im Endeffekt bringt es gar nichts."

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