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Greenpeace: Patentamt lässt Menschen züchten

Brüssel (ots)

Das Europäische Patentamt (EPA) hat im Februar
2005 ein Patent erteilt, dass zur Auswahl des Geschlechts von Kindern
dient, die aus künstlicher Befruchtung hervorgehen. Patentinhaber ist
die US-Firma XY Inc, USA.
Dies belegt eine aktuelle Recherche von Greenpeace. Laut
Patentschrift mit der Nummer EP 1257 168 B werden Samenzellen
tiefgekühlt und nach den Geschlechts- Chromosomen getrennt. Das
Patent umfasst das technische Verfahren und die Samenzellen selbst.
Menschen werden damit auf eine Ebene mit Verfahren in der Tierzucht
gestellt.
"Durch Patente wie dieses wird menschliches Leben zum technisch
optimierten Produkt. Demnächst gibt es Patente für die Selektion von
Intelligenz und Körpergröße", sagt Christoph Then, Greenpeace-
Patentexperte. Das EPA kann im Moment Patente fast nach Belieben
erteilen, da die europäischen Regelungen lückenhaft und zum Teil
widersprüchlich sind. Das aktuelle Patent verletzt mehrere Gesetze:
Die Patentierung menschlicher Keimzellen (Samen und Eizellen) ist in
Europa nicht erlaubt, auch Verfahren zur Auswahl des Geschlechts sind
in den meisten Ländern verboten. Selbst die Biomedizin-Konvention des
Europarates verbietet Geschlechtswahl mit der Ausnahme etwa
geschlechtsspezifischer schwerer Erbkrankheiten.
Professor Dietmar Mieth, Ethikexperte der Universität Tübingen,
warnt davor, dass das Patent sogar über die Methode der
Geschlechtswahl hinaus gehen könnte: "Der Patentantrag schließt die
Verfügung über selektiertes, manipuliertes und konserviertes
menschliches Sperma mit bestimmten 'Charakteristika' ein, von welchen
die Wahl des Geschlechts nur ein Beispiel ist. Damit ist die Methode
für Verwendungen zur nicht medizinisch begründeten Geschlechtswahl
bis hin zur Menschenzüchtung offen."
Patente auf menschliche Samen- und Eizellen wurden in den letzten
Jahren vom Europäischen Patentamt mindestens in drei Fällen vergeben.
Greenpeace hatte in diesem Zusammenhang dem EPA bereits mehrfach
vorgeworfen, einer Kommerzialisierung des menschlichen Körpers den
Weg zu bereiten.
Greenpeace präsentiert den aktuellen Fall heute in der
Arbeitsgruppe für Bioethik des Europäischen Parlamentes und fordert
dabei eine Neuordnung des europäischen Patentrechts. Am EPA werden
zur Zeit in großem Stil Patente auf Saatgut, Pflanzen, Tiere sowie
menschliche Gene vergeben. 2005 wurden bereits etwa 100 Patente auf
Gene, 50 Patente auf Saatgut und Pflanzen sowie 20 Patente auf Tiere
erteilt. Greenpeace fordert ein generelles Verbot der Patentierung
von Saatgut, von Lebewesen und deren Erbgut.
Achtung Redaktionen:
Für Rückfragen erreichen Sie
Dr. Christoph Then ab etwa 10 Uhr mobil unter
Tel.: 0171-8780 832 (vorher ist er in der Bioethik-Arbeitsgruppe)
oder Greenpeace-Pressesprecherin
Svenja Koch unter
Tel.: 040-30618-345.
Internet-Info: www.greenpeace.de.
Internet: www.greenpeace.de

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