Mittelbayerische Zeitung

Mittelbayerische Zeitung: Leitartikel von Reinhard Zweigler zu Klima

Regensburg (ots) - Man kann es sarkastisch-aphoristisch ausdrücken: Unsere Zukunft gleicht der von Passagieren auf einem kleinen Vergnügungsdampfer, die unbesorgt oberhalb der Niagarafälle herumfahren und nicht wissen, dass die Maschinen bald versagen werden. Wie es der Klimaschutzaktivist James Lovelock tat. Oder man kann einfach so weitermachen, weiterwirtschaften wie bisher: Die Erde wird's schon irgendwie verkraften. Die Apokalypse kommt später. Man kann fatalistisch dem Untergang entgegensehen. Man kann das weltweit brennende Klimaproblem einfach ignorieren und höchstens hier und da ein paar Dämme erhöhen. Der jüngste Bericht des Weltklimarates, der nach langen Beratungen internationaler Experten jetzt in Yokohama vorgestellt wurde, ist weder das eine noch das andere. Er ist nicht fatalistisch, keine Untergangsfantasie, sondern vielmehr realistisch. Er ist sozusagen der wissenschaftlich fundierte Weckruf - der wievielte eigentlich? -, endlich wirksam gegen Erderwärmung und alle damit verbundenen Negativfolgen vorzugehen. Und zwar weltweit, ohne Ausnahme. Denn der gravierende Klimawandel, mit einem Anstieg der Temperaturen, vermehrten Stürmen, gewaltigen Niederschlägen, aber auch verheerenden Dürren wird so oder so das Leben auf unserem Planeten verändern. Es wird keine Profiteure, sondern nur Verlierer geben. Das Problem ist, dass der Klimawandel so vergleichsweise langsam daherkommt - aus der Sicht eines kurzen Menschenlebens. Aus der Sicht von Mutter Erde ist der Wandel dagegen rasant. Rund 150 Jahre industrielle Produktion mit gigantischem Energie- und Rohstoffverbrauch haben ausgereicht, das Weltklima aus der Bahn zu werfen. Das große, hehre Ziel, die Erderwärmung auf zwei Grad bis zum Ende des Jahrhunderts einzudämmen, wird voraussichtlich verfehlt. Mit brutalen Folgen für nachfolgende Generationen. Die Crux dabei ist, dass es immer schwieriger wird, den Klimawandel und seine Folgen einzudämmen. Dabei wäre ein wirkliches Gegensteuern heute wesentlich billiger als spätere Notmaßnahmen zur Eindämmung der schlimmsten Auswirkungen der Erderwärmung. Zu Recht warnen die internationalen Klimaexperten jetzt nicht nur vor den Verheerungen durch Hitzewellen, Luftverschmutzung, Wasserknappheit, sondern auch vor den Folgen für die Welternährung. Klimabedingte Ernteausfälle bei den lebenswichtigen Getreidekulturen wie Reis, Weizen und Mais können das bereits bestehende Hungerproblem massiv verschärfen. Auch die reichen Industrieländer auf der Nordhalbkugel werden davon nicht unberührt bleiben. Aber es ist vor allem an ihnen, Anpassungsstrategien gegen den brutalen Klimawandel zu entwickeln - und zu finanzieren. Wie schwer das freilich ist, wenn es konkret wird, zeigt das derzeitige Gefeilsche um die Energiewende in Deutschland. Es besteht die Gefahr, dass der Weckruf aus Yokohama vom kleinklein um Ökostromumlage, Fördersätze und Energietrassen übertönt wird. Dabei sind die Maschinen des Dampfers vor den Niagarafällen bestens intakt. Ein Umsteuern ist möglich. Deutschland könnte weltweiter Vorreiter sein. Ja, könnte. Die Welt schaut interessiert darauf, ob es dem Industrieland gelingt, die Energiewende hinzubekommen. Es wäre ein Vorbild für andere Länder. Und ein Segen für das Klima.

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