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Mittelbayerische Zeitung: Mit Vollgas in den Nebel

Regensburg (ots)

Einen Rekordmonat August im Kofferraum, eine ultradicke Auftragsmappe auf dem Beifahrersitz - mit beeindruckenden Zahlen und stolzgeschwellter Brust sind die deutsche Autohersteller heuer auf der IAA vorgerollt. Zwei Jahre lang fuhr die Branche nun mit Vollgas aus der Krise, um sich wieder im Scheinwerferlicht der Weltpresse und -kundschaft sonnen zu können. Die Kritik auf der Vorgänger-IAA 2009 ist verstummt: Für Normalsterbliche unbezahlbar? Weltweit gibt's genug solvente Abnehmer. Immer mehr spritsaufende SUV's im Programm? Verkaufen sich wie geschnitten Brot. Elektro-Trend verschlafen? Geld verdient damit bislang eh keiner. Kurz gesagt: Die heutige Startposition von Daimler, BMW, VW und die anderen deutschen Hersteller für das Rennen zu den Mobilitätsmärkten der Zukunft ist wesentlich besser als es alle Skeptiker orakelt hatten. Abseits des Scheinwerferlichts weicht das so offensiv zur Schau getragene Selbstbewusstsein der deutschen Autobauer jedoch einer gewissen Nachdenklichkeit. Die Manager müssen nur ihre Smartphones einschalten, um zu hören, dass in Europa eine Konjunkturabschwächung droht, die USA vor einer neuen Rezession stehen und nicht nur die Regierung Obama ihr Pulver verschossen hat, um den nächsten Abschwung finanziell abzufedern. Im Gegenteil: So wie die Rettungspakete die Konjunktur angekurbelt haben, würden die Sparpakete sie nun abwürgen, heißt es. Hinzu kommt, dass Chinas Wirtschaft sich abzuschwächen droht. Die Wachstumstreiber der Autobranche befinden sich längst in Schwellenländern, allen voran in der Volksrepublik China. Nicht nur Audi verkauft dort schon die meisten seiner Fahrzeuge. Gerät der Motor des größten Wachstumsmarkts der Welt ins Stottern, bremst das auch und gerade den Exportweltmeister der Autoindustrie. Zudem dürfen auch die sehr positiven Bilanzen der deutschen Hersteller nicht darüber hinwegtäuschen, dass die internationale Autobranche noch lange nicht über den Berg ist. Noch bestehen Überkapazitäten, die schon vor der jüngsten Krise bemängelt wurden. Der anhaltende Trend zum Konformismus unterm Blechkleid sorgt für massive Probleme, wenn nur ein Teil Zicken macht, das jedoch Millionen Mal verbaut wurde. Und der Trend zum Aufbau von Produktionskapazitäten im Dollarraum weckt Befürchtungen, dass im Krisenfall abgebaute Stellen im Heimatland danach wohl nicht mehr dorthin zurückkehren werden. Die größte Gefahr für die Autoverkäufer ist jedoch die Unsicherheit über die Zukunft der Mobilität insgesamt. Die Branche fährt hier mit Vollgas in den Nebel. Wollen morgen alle sparsame Verbrennungsmotoren fahren, oder nur noch elektrisch dahingleiten? Und was darf's denn sein: Dicker Geländewagen oder kleiner, motorradähnliche Zweisitzer? Wer sind die künftigen Gegner - Toyota und Hyundai, oder Apple, Google und Facebook? Und - weil der Nachwuchs mehr auf schicke Smartphones abfährt - werden Autos künftig wirklich noch gekauft, oder je nach Bedarf geliehen oder gemietet? Heerscharen von Trendscouts, Beratern, Markt- und Zukunftsforschern strampeln sich derzeit ab, diese Fragen zu beantworten. Wohin die Reise geht, weiß niemand, zu schnell schießen Trends und Konzepte in die Höhe und versinken wieder in der Versenkung, zu inhomogen sind die Märkte und Kundengruppen. Fest stehen dagegen schon heute zwei Grundvoraussetzungen, um im Kampf um die künftigen Kunden die Zügel in der Hand zu behalten: Kapital und Innovationskraft. Ersteres wird von Audi, BMW & Co. derzeit zur Genüge angehäuft, Letzteres haben die deutschen Hersteller und Zulieferer seit Jahren aufgebaut, weil sie in die Köpfe der Techniker und Kreativen auch in der Krise investierten. Allen Unsicherheiten, Trendforschern und Kostencontrollern zum zum Trotz scheint das auch die beste Strategie für die Zukunft zu sein.

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