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Erwerbslose mit schwacher Lobby: Warum ihre Interessenvertretung so schwer zu organisieren ist

Warum ihre Interessenvertretung so schwer zu organisieren ist

Erwerbslose mit schwacher Lobby

Arbeits- und Erwerbslose haben eine schwache Lobby und genießen wenig öffentliche und politische Unterstützung. Der aktuelle Report aus dem Institut für Arbeit und Qualifikation der Universität Duisburg-Essen untersucht die vielfältigen Herausforderungen, vor denen Interessenvertretungen für Erwerbslose stehen. Politisch brisant: Rechtpopulistische Parteien stoßen in die entstehende Vertretungslücke.

Für die Studie* untersuchen Dr. Fabian Beckmann, Institut Arbeit und Qualifikation (IAQ) der Universität Duisburg-Essen, und Dr. Florian Spohr, Institut für Sozialwissenschaften der Universität Stuttgart, wie Organisationen Erwerbslose organisieren und vertreten. Auf Basis von Interviews mit Betroffenenorganisationen, Wohlfahrtverbänden und Gewerkschaften analysieren sie die Ursachen der Organisationsprobleme.

Die zentralen Ergebnisse: Selbstorganisierte Erwerbsloseninitiativen haben kaum finanzielle Mittel, um ihre Interessen politisch zu vertreten. Sie bekommen zwar öffentliche Förderung, diese ist jedoch häufig an zeitraubende Sozialrechtsberatungen gebunden. Innerhalb der Wohlfahrtsverbände und Gewerkschaften wiederum konkurrieren die Anliegen der Erwerbslosen mit den Interessen anderer Gruppen. Häufige Wechsel unter den Mitgliedern, Überalterung und Interessenkonflikte erschweren es zudem, Erwerbslose zu mobilisieren und dauerhaft zu organisieren.

Hinzu kommt das negative öffentliche Bild über Arbeitslose. „Ihre fortwährende Stigmatisierung in öffentlichen Debatten führt dazu, dass sich viele Betroffene zurückziehen, statt sich zu organisieren und zu solidarisieren. Dies erschwert es den Organisationen, eine Gegenposition zu gängigen Narrativen öffentlich sichtbar zu machen“, so IAQ-Arbeitsmarktforscher Fabian Beckmann.

In der Studie berichteten Organisationsvertreter:innen, dass viele Arbeitslose sich nicht gesehen und politisch repräsentiert fühlen. Infolge dessen sind sie empfänglich für rechtspopulistische Parteien: Die Alternative für Deutschland (AfD) erhielt bei der Bundestagswahl 2025 mit einem Stimmenanteil von 34 % unter Arbeitslosen deutlich mehr Rückhalt als im Bevölkerungsdurchschnitt (21 %). „Indem die AfD den Konflikt zwischen Arm und Reich zu einem Konflikt zwischen Deutschen und Zugewanderten macht, bietet sie eine Interessenvertretung „von rechts“ an“, erklärt Beckmann.

Hoffnung macht den Wissenschaftlern, dass Erwerbslosenorganisationen verschiedene juristische Instrumente wie Klagen und Rechtsberatung mit Erfolg einsetzen. Außerdem könne die Mobilisierung über soziale Medien die öffentliche Wahrnehmung erweitern. „Jungen Organisationen wie „ Sanktionsfrei“ gelingt es immer wieder, durch persönliche Geschichten und gezielte Kampagnen Nachrichtenwert zu generieren“, so Florian Spohr.

* Die Interviews wurden im Rahmen des Projektes „ Zwischen Fragmentierung und Marginalisierung: Die Repräsentation schwacher Interessen am Beispiel von Erwerbslosen“ (RESCHI) durchgeführt.

Publikation: Fabian Beckmann, Florian Spohr, 2026: Desorganisierte Erwerbslose: Mobilisierungsprobleme, Vertretungslücken und politische Konfliktverlagerung. Duisburg: Inst. Arbeit und Qualifikation. IAQ-Report 2026-08

Weitere Informationen:

Dr. Fabian Beckmann, Institut Arbeit und Qualifikation, fabian.beckmann@uni-due.de

Redaktion: Katja Goepel, Pressereferentin, Institut Arbeit und Qualifikation, katja.goepel@uni-due.de

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