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Neues Deutschland: Zeiten ändern sich

Berlin (ots) - W olfgang Clements Anruf ereilte sie beim Spargelschälen: Ob sie NRW-Ministerin für Bundes- und Europaangelegenheiten werden wolle? Hannelore Kraft bejahte die Frage des Ministerpräsidenten fröhlich. Doch so einfach wie damals im Jahr 2000 - als Rot-Grün noch über eine stabile Mehrheit verfügte - ist die Kabinettsbildung nicht mehr.

Manchen Korb fing Kraft sich in den letzten Wochen ein. Zu unsicher erschien vielen Bundes- und Europapolitikern und auch Ex-Landesministern die Perspektive, einer wackligen Minderheitsregierung als Minister zu dienen. So bleibt der (zumindest bei Neoliberalen) hoch angesehene Werner Gatzer lieber mausgraue Eminenz im Bundesfinanzministerium. Auch Karl Lauterbach bevorzugt seinen ehrenwerten Kampf gegen Kopfpauschale und Homöopathie-Hokuspokus. Lieber informeller »Gesundheitsexperte der SPD« als Kraft-Minister! Kein einziger Oberbürgermeister wagte den Sprung nach Düsseldorf, der früher - was denn sonst! - als Karrieresprung gegolten hätte.

Lange schwieg Kraft zur Besetzung ihres Kabinetts. Sie wollte ihre Mannen bei der Stange halten, bis ihre Wahl zur Regierungschefin in trockenen Tüchern war. Denn wenn es Absagen aus der ersten und zweiten Reihe hagelt, dann weckt das natürlich Begehrlichkeiten - in der dritten, vierten und fünften Reihe. Und mancher, der sich plötzlich als ministrabel wähnt, aber enttäuscht wird, mutiert flugs zum Heckenschützen.

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