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NRZ: Außenpolitik nach Macho-Art - ein Kommentar von JAN JESSEN

Essen (ots) - Wladimir Putin und Recep Tayyip Erdogan sind sich eigentlich ziemlich ähnlich. Beide haben sich aus ärmlichen Verhältnissen nach oben gekämpft, beide haben ein autokratisches und hemdsärmeliges Politikverständnis, können wenig mit Pressefreiheit anfangen und verachten den aus ihrer Sicht dekadenten Westen. Beide wollen ihre Länder zu alter Größe und Bedeutung führen. Genau das aber macht die derzeitige Situation so brisant: Bei ihrem Bemühen, geopolitisch eine größere Rolle zu spielen, sind sie, die sich so ähnlich sind, zu erbitterten Rivalen geworden. Der eine, Putin, bombt für den syrischen Machthaber Assad, der andere, Erdogan, will Assad unbedingt stürzen und legt sich dafür sogar mit dem Teufel ins Bett, sprich: unterstützt islamistische Fanatiker. Die Provokationen der Russen an der türkischen Grenze, der völlig überflüssige und dumme Abschuss des russischen Kampfjets samt ausbleibender Entschuldigung, die harsche Reaktion Moskaus - all das ist Ausdruck eines machohaften Politikstils, der nicht auf Kompromiss, sondern auf Krawall gebürstet ist. Innenpolitisch können sich weder Putin noch Erdogan Zeichen der Schwäche leisten. Deswegen ist es jetzt Aufgabe des Westens, zwischen den beiden zu moderieren. Eine weitere Eskalation gefährdet den Kampf gegen die IS-Terrormiliz, der ein gemeinsames und koordiniertes Vorgehen verlangt; und birgt die Gefahr, dass die Nato und Russland aneinandergeraten. Am Rande: In einer solchen Situation die EU-Sanktionen gegen Russland zu verlängern, ist kontraproduktiv.

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