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Westfalenpost: Lorenz Redicker zum Rentenpakt

Hagen (ots) - Überraschend geschlossen hat die große Koalition dem Rentenpakt der Regierung zugestimmt. Aus den vielen kritischen Stimmen in der Union insbesondere zur abschlagsfreien früheren Rente sind am Ende nur wenige parlamentarische Gegenstimmen geworden. Nun erhalten also ältere Mütter mehr Rente, wer 45 Jahre gearbeitet hat, kann früher ohne Abzüge in den Ruhestand. Dass jeder einzelne sich diese Ansprüche durchaus verdient haben mag, steht außer Zweifel; dass sie ein höheres Maß an Gerechtigkeit schaffen, ebenso. So profitieren von der Rente mit 63 (für Jahrgänge ab 1964: Rente mit 65!) in der Regel Arbeiter und Handwerker, die meist früher sterben als gut verdienende Akademiker - also auch weniger lang Rente beziehen. Und dennoch sendet die Rente mit 63 das falsche Signal. Wir leben länger, was einerseits schön ist, der Rentenkasse aber Probleme bereitet. Derzeit ist davon wenig zu merken, was am boomenden Arbeitsmarkt liegt und daran, dass die Babyboomer noch in Lohn und Brot stehen und Beiträge zahlen. In 15 Jahren wendet sich das Blatt, dann müssen die Renten der geburtenstarken, aber wenig gebärenden Jahrgänge bezahlt werden - von weniger Beschäftigten. Kein Produktivitätsfortschritt kann diese demografische Falle auflösen. Rechnet man die falsche Finanzierung der Mütterrente über die Beiträge statt über die Steuer hinzu und den Umstand, dass mit dem Rentenpaket die künftig drohende Altersarmut eben nicht bekämpft wird, so bleibt trotz einiger rundweg positiver Änderungen etwa bei der Erwerbsminderungsrente: Die Rentenpolitik der Koalition ist kurzsichtig, sie schielt allein auf schnelle Wählerstimmen. So wird das Generationen- und Erfolgs(!)- projekt Rentenversicherung nachhaltig beschädigt.

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