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19.09.2018 – 05:00

Neue Osnabrücker Zeitung

NOZ: Kämpfen als Berufung? Landesbischof kritisiert Werbekampagne der Bundeswehr

Osnabrück (ots)

Kämpfen als Berufung? Landesbischof kritisiert Werbekampagne der Bundeswehr

Meister: Militär sollte nicht mit Assoziationen zu Computerspielen werben

Osnabrück. Hannovers evangelischer Landesbischof Ralf Meister kritisiert die aktuelle Werbekampagne der Bundeswehr. "Mit Slogans wie ,Folge deiner Berufung' habe ich als Pfarrer große Probleme", sagte Meister im Interview mit der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Das Berufen-Sein gehöre bei Pfarrerinnen oder Pfarrern zur geistlichen Identität. Für das Militär wiederum gelte: "Frieden herstellen und wahren, das ist der Auftrag der Bundeswehr, wenn sie im Ausland aktiv wird." Wenn die Bundeswehr für sich werbe, "dann nur mit diesem Auftrag und auf keinen Fall mit Assoziationen zu Kampfszenen aus Computerspielen", forderte der Geistliche.

Meister wünschte sich, dass sich Christen berufen fühlten, Kreisläufe von Gewalt zu durchbrechen. In den Werbesprüchen auf ihren Plakaten nennt die Bundeswehr allerdings Fertigkeiten wie "Kämpfen" und "Führen" als Berufung und zeigt dazu eine Gruppe agiler Soldaten mit Waffen im Anschlag beziehungsweise das markante Gesicht einer blonden Marine-Soldatin. Auf den ersten Blick wirken die Motive wie Werbebilder eines Videospiels. Bei der Computerspielemesse Gamescom hatte die Bundeswehr unter anderem mit dem Slogan "Mehr Open World geht nicht" unter Bezug auf ein bekanntes Videospiel-Genre für sich geworben.

Meister führt die mit mehr als 2,6 Millionen Mitgliedern größte Landeskirche der Evangelischen Kirche in Deutschland.

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Hannovers Landesbischof: AfD-Mitgliedschaft und Christsein schließen sich nicht aus

Ralf Meister: Auch um diese Menschen muss man sich kümmern

Osnabrück. Eine Mitgliedschaft in der AfD und ein Leben als Christ schließen sich laut dem evangelischen Landesbischof Ralf Meister nicht aus, solange sich die AfD im Rahmen des geltenden Rechts bewege. In einem Interview mit der "Neuen Osnabrücker Zeitung" sagte Meister: "Was nicht funktioniert, ist, Christ zu sein und sich antisemitisch, menschenverachtend, ausgrenzend, rassistisch zu äußern oder andere Menschen öffentlich und in Online-Netzwerken zu beleidigen." Das entspreche nicht dem geistlichen Auftrag eines Christen. "Diese Haltung unterstelle ich aber nicht allen AfD-Mitgliedern", sagte Meister.

Man müsse deutlich machen: "Wer AfD-Mitglied ist fördert Positionen, die zu rechtsradikalen Wertverschiebungen führen." Er ermuntere Gemeinden, offener über Haltungen und politische Bindungen zu sprechen, erklärte der Landesbischof.

Meister forderte, radikale Haltungen, die etwa in Chemnitz und Köthen zum Ausdruck gebracht worden waren, scharf zu verurteilen. "Auf der anderen Seite bin ich sehr behutsam zu sagen: Mit denen reden wir nicht." Auch um diese Menschen, die momentan nicht mehr dazu gehörten, müsse man sich kümmern. "Selbst wenn sie sagen: Lass mich in Ruhe. Es befreit uns keiner von der Verantwortung, sie im Blick zu behalten", sagte der Geistliche, der die größte deutsche evangelische Landeskirche führt.

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