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Neue OZ: Kommentar zu Auszeichnungen
Literatur

Osnabrück (ots) - Gesten der Stärke, Zeichen der Schwäche

An die Titel seiner Romane erinnern sich heute nicht einmal mehr Spezialisten. Doch als legendärer "Freund der Dichter" ist Hermann Kesten präsent. In Zeiten des Exils hat er die Sache der Freiheit hochgehalten, dafür gesorgt, dass Verfolgte nicht allein blieben. Gerade Liu Xiaobo hat den Kesten-Preis verdient. Und das in doppelter Hinsicht. Mit seinem Beispiel gibt er denen Mut, die gegen Widerstände für Freiheit kämpfen. Zugleich bedarf er als Inhaftierter der Unterstützung durch die Menschen, die in Freiheit sind. Xiaobo gibt ein spektakuläres Beispiel - um den Preis eines übermenschlichen Opfers. Daran muss immer wieder erinnert werden.

Eines ist jetzt schon klar: Mit der Weigerung, Xiaobo den PEN-Preis persönlich entgegennehmen zu lassen, hat Chinas Führung wieder ein Zeichen der Schwäche gegeben. Es ist die schwache Stelle der Diktatoren: Weil sie auf unverrückbaren Prinzipien bestehen müssen, sind sie unfähig zu flexibler Reaktion im Einzelfall. Die Starrheit der Regelerfüllung belegt den despotischen Sinn.

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