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WAZ: Aus früheren Skandalen wieder nichts gelernt - Kommentar von Frank Meßing zu verseuchten Eiern

Essen (ots) - Gegen kriminelle Energie, Schlamperei und menschliches Versagen helfen die besten Gesetze und Vorschriften nichts. Diese Erkenntnis gilt sicherlich auch für den aktuellen Eierskandal, der das Vertrauen der Verbraucher abermals tief erschüttert. Die Gründe, warum es immer wieder zu Gesundheitsgefährdungen durch Lebensmittel kommt, liegen aber tiefer.

Mit der wachsenden Weltbevölkerung steigt auch der Bedarf an Nahrungsmitteln. In den vergangenen zehn Jahren ist der Eierverbrauch pro Einwohner in Deutschland von 209 auf 235 geklettert. Wir essen auch immer mehr Geflügel. Binnen einer Dekade nahm der Verzehr von 16,7 auf 21 Kilogramm zu. Deutsche Erzeuger können den Bedarf im eigenen Land gar nicht mehr decken.

Die Hühnerställe werden immer größer und die Zahl der Betriebe schrumpft. Der Konzentrationsprozess macht sich auch bei den Dienstleistern bemerkbar. In den Niederlanden bezogen offenbar weit mehr als 100 Hühnerfarmen das mutmaßlich gepanschte Reinigungsmittel von demselben Anbieter. Da wundert es nicht, dass sich Verunreinigungen zum Flächenbrand ausweiten. Das Erzeugersystem ist nicht mehr zu steuern.

Wie bei allen anderen Lebensmittelskandalen, aus denen die Akteure nichts gelernt haben, sind die Verbraucher die Leidtragenden. Eltern machen sich Sorgen, dass Fipronil ihre Kinder krank macht. In den Haushalten werden fieberhaft Chargennummern verglichen. Am Ende landen die Eier aus dem Kühlschrank dann doch im Müll, weil uns der Appetit vergangen ist. Und Verbraucherschützer wiederholen gebetsmühlenartig, dass Bund und Länder keine einheitlichen Handlungsempfehlungen herausgeben, dass Kontrollen und die Kennzeichnungspflicht von Eiern verbessert werden müssen. Am Ende versickern die Forderungen im Zusammenspiel von Lobbyisten und Politik. Bis zum nächsten Skandal.

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