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WAZ: Die Entzauberung - Kommentar von Dirk Hautkapp

Essen (ots) - Selbst wenn die wissenschaftlichen Scharfrichter in Bayreuth dem Baron nachweisen sollten, dass er die Schummelschwelle zu niedrig angesetzt hat und durch Textklau zum Doktortitel gekommen ist - Karl-Theodor zu Guttenberg muss man nach dem Fußnoten-Skandal wohl nicht abschreiben. Politik ist kein Geschäft für Zitierethik-Kommissionen. Guttenberg ist Politiker. Da gehört das kreative Hantieren mit Textbausteinen (auch) aus anderer Leute Hirnwindungen fast schon zur Berufsbefähigung. Auf diesem Feld hat es der Meister der Bedeutungsschwere vorgaukelnden Wortgirlande weit gebracht. Was manche als Pseudo-Klugschwätzerei empfinden, erscheint vielen als selten ehrlicher Klartext. Adel verpflichtet - eben zu nichts. Darum diese Beliebtheitswerte. Dass der Mann punktuell schlampiges Handwerk bei sich selbst nicht ausschließt und den wahren Autoren die Schöpferwürde nachträglich zugestehen möchte, hat den Charakter eines "Teil-Geständnisses". Teile des Publikums werden sich an das Lied der "Prinzen" erinnern - "Alles nur geklaut" - und "Schwamm drüber" rufen. Es gibt Schlimmeres als einen Minister, der sich selbst entzaubert.

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