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WAZ: Mobilität bleibt immer modern - Leitartikel von Gerd Heidecke

Essen (ots) - Das Auto war noch gar nicht richtig auf der Welt angekommen, da wurde es bereits totgesagt. Eine vorübergehende Modeerscheinung, befand beispielsweise Kaiser Wilhelm II und setzte obertänigst und wortwörtlich aufs Pferd. Es erwies sich als das Falsche. Das Auto war und ist in erster Linie nicht modisch, sondern ganz im Gegensatz zu seiner Majestät modern. Modern, weil überall die Menschen grenzenlos mobil sein wollen. Kaum sind die Grundbedürfnisse in einem aufstrebenden Land gedeckt, rackert und ackert die entstandene Mittelschicht, um sich ein Auto zu ersparen. Das ist jetzt in Indien, China und Brasilien nicht anders als vor 100 Jahren in den USA und vor einem halben Jahrhundert im Wirtschaftswunder-Deutschland. Und warum fahren die Menschen politisch unkorrekterweise nicht lieber in Massen Bus und Bahn, wo doch das Schienennetz in Deutschland bereits im Geburtsjahr des Autos feiner gestrickter war als heute? Weil die Menschen das Steuer am liebsten selbst in die Hand nehmen, ihren Fahrplan und die Geschwindigkeit bestimmen oder spontan umkehren wollen. Und das in den eigenen vier rollenden Wänden, mögen sie auch noch so blechern sein wie beim Volkswagen. Diese oft irrational getriebene Sucht nach uneingeschränkter Mobilität fordert ihren Preis. Auf 1,3 Millionen schätzt die Weltgesundheitsorganisation die Zahl der Verkehrstoten - jährlich. Milliarden Tonnen Erdöl werden verfeuert und heizen nach kurzem Knall im Motor noch lange als Treibhausgas die Atmosphäre auf. Der größte Feind des Automobils, er ist das Auto selbst. Es gibt aber keinen Grund für eine Endzeitstimmung. Gerade die deutsche Autoindustrie hat es in der Hand, den guten, alten Selbstfahrer von Carl Benz Richtung Zukunftstauglichkeit zu tunen. Niemand, sagen selbst seine schärfsten Kritiker, kann dies besser als die Erfinder des Automobils. Das menschliche Mobil, das jedem Unfall aus dem Weg geht und mit der Sonne im Tank um die Welt fährt, darf kein Traumwagen bleiben. Egal, wie es im Laufe der nächsten 125 Jahre aussieht und was es antreibt: Nur eine funktionierende Lenkung muss es immer haben. Fazit: Individuelle Mobilität bleibt stets modern. Mit dem Endziel null Tote und null Emissionen im Verkehr ist das Auto auf lange Zeit nicht von gestern.

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