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WAZ: Trägheit statt Flexibilität - Kommentar von Tobias Bolsmann

Essen (ots) - Bei Preiserhöhungen sind die deutschen Stromversorger äußerst agil, doch bei der Einführung variabler Tarife agieren sie reichlich träge. Kein Wunder - wenn man sie gewähren lässt. Ein Grund für die schleppende Umsetzung der gesetzlichen Vorgaben liegt bereits in einem Geburtsfehler: Der entscheidende Paragraph schreibt lediglich einen Tarif vor, der einen Anreiz zur "Energieeinsparung oder Steuerung des Energieverbrauchs" bietet. Undeutlicher geht's kaum noch. So können die Versorger ganz tief in den Heizungskeller steigen und Uralt-Tarife aus den 70er-Jahren hervor kramen, die lediglich nach Tag- und Nachttarifen unterscheiden - Mogelpackung leicht gemacht. Es wird erst Bewegung in den großen Strompreis-Markt kommen, wenn sich ein Akteur seiner Macht besinnt: der Verbraucher selbst. Nach wie vor macht nur eine minimale Anzahl von der Möglichkeit Gebrauch, den Versorger zu wechseln. Sobald die Stromkunden ihren teuren Anbietern den Rücken kehren, werden auch die Versorger blitzschnell ihre Trägheit ablegen und Flexibilität entwickeln.

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