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WAZ: Viel zu wenig - Kommentar von Daniel Freudenreich

Essen (ots) - Der Bericht des Runden Tischs Heimerziehung krankt an einem Punkt. 120 Millionen Euro für geschädigte Heimkinder sind viel zu wenig Geld. Wer als Kind über Jahre gepeinigt, gedemütigt und misshandelt wurde, der muss wenige Tausend Euro "Ausgleich" als Hohn empfinden. Abgesehen davon sind die Ergebnisse des Runden Tischs aber gut. Es ist richtig, dass es keine Pauschalentschädigung gibt. Schließlich ist nicht jedes Heimkind traumatisiert. Auch der Ansatz, bei Folgeschäden zu entschädigen, ist sinnvoll. Gäbe es nur Geld, wenn die Betroffenen damals erlittenes Unrecht nachweisen könnten, dann müssten sie sich einmal mehr mit den schrecklichen Erlebnissen von früher befassen. Nun ist es wichtig, dass die Betroffenen an die Entschädigung kommen. Bund und Länder sind moralisch in der Pflicht, die Empfehlungen rasch umzusetzen. Ein Veto einzulegen wäre eine Schande. Mehr noch: Wenn nötig, müssen sie mehr Geld in den Fonds stecken. Alle geschädigten Heimkinder haben einen Anspruch auf Ausgleich. Wenigstens das sind ihnen der Staat und die Kirchen schuldig. Auch wenn das niemals ein Ersatz für eine verlorene Kindheit ist.

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