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WAZ: Das Außenamt und der Holocaust - Dunkle Vergangenheit - Kommentar von Rolf Potthoff

Essen (ots) - Nicht lang ist es her, dass der Direktor des Jüdischen Museums Berlin, Prof. Blumenthal, diese Nation würdigte. Deutschland sei "das einzige Land, das die Verantwortung für das, was damals geschehen ist, nicht unter den Teppich gekehrt hat, sondern sich offen dazu stellte", sagte Blumenthal mit Blick auf die NS-Vergangenheit. Diese Wertschätzung ehrt. Sie beruht auf der breiten Diskussion, die unsere Gesellschaft zur NS-Aufarbeitung führte. Und doch: Erneut legen Historiker dar, solche Ansicht stimmt nur zum Teil. Das sich immer zur Crème de la Crème der politischen Elite zählende Diplomatische Corps hat eine Vergangenheit wie sie dunkler nicht sein kann. Umso so schwerer wiegt die Tatsache, dass das Außenamt sechs Jahrzehnte lang diesem dunklen Teil seiner Geschichte nicht nachging, dass es ihn verdrängte, verschwieg. Das erinnert an den Umgang mit den Verbrechen der Wehrmacht. Sie galt als "sauber", bis Historiker eine andere Wahrheit nachwiesen. Beschämend genug, dass die späte Aufdeckung teils mehr Empörung auslöste als die Wehrmacht-Untaten selbst. Es war ebenso wichtig wie mutig, dass der frühere Außenminister Fischer dem verharmlosenden Schweigen mit dem Auftrag an die Historiker ein Ende bereitet hat.

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