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WAZ: Wulff vor dem Parlament in Ankara - Gegen die Hysterie - Kommentar von Dirk Hautkapp

Essen (ots) - Kein anderer Staat der Welt hat mehr Einfluss auf die deutsche Innenpolitik als die Türkei. Kein anderer Staat kann den poröser werdenden Zusammenhalt zwischen politischer Elite und Volk so gefährden wie die Türkei. Das war schon so, als sich die Republik noch über die doppelte Staatsbürgerschaft, Panzerlieferungen, Menschenrechte oder den Kurdenkrieger Öcalan in den Haaren lag. Die erschreckend ziellos und ungesund emotional geführte Integrationsdebatte hat das deutsch-türkische Verhältnis auf ein Minenfeld geschoben. Ein harmloser, die Wirklichkeit streifender Satz wie: "Der Islam gehört zu Deutschland" - schon sehen Alarmisten das Abendland preisgegeben. Wulffs Auftritt in Ankara hat der Hysterie mit Anstand entgegengewirkt. Hinter dieser Rede kann sich mit etwas gutem Willen das ganze Volk versammeln. Für rechte Rattenfänger ist nichts zu holen; für Integrations-Praktiker aber auch nicht. Nichts in dieser Rede war grundstürzend neu, nichts fehlte. Aber auch, und das heißt heute schon was, nichts war gedankenblass, spalterisch oder feige. Sogar ein bei der Kanzlerin vermisster Merksatz war dabei: Deutsche und Türken dürfen sich nicht in eine "Konfrontation treiben lassen". Stimmt. Einprägsamer kann man Sarrazin, Seehofer und deren Trittbrettfahrer kaum in den Senkel stellen.

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