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WAZ: Weniger Verständnis für Kinder - Nur noch Oasen - Leitartikel von Birgitta Stauber-Klein

Essen (ots) - Tyrannische Vermieter gab es schon immer. Und die griesgrämige Alte von nebenan auch. Früher waren es allerdings Kinderhorden, die sich zwischen Mehrfamilienhäusern die Bälle zukickten. Heute ist dort nichts mehr los, weil es in so manchem Wohngebiet kaum noch Kinder gibt. Obendrein grenzen sich die Generationen immer weiter voneinander ab. Hier das Familienhotel, wo Kinder mit Events von früh bis spät überhäuft werden, dort die exklusive Wellnessanlage "garantiert ohne Kinder". Hier das Restaurant, das Kindern Pizza, Pommes und Spaghetti zum Sensationspreis anbietet und Spielzeug noch dazu, dort der Italiener mit dicken Tischdecken, wo der fehlende Hochstuhl signalisiert, wer dort nichts verloren hat. Hier das Viertel der kinderreichen Multi-Kulti-Familien, dort die ruhige Wohngegend mit Senioren, die seit Jahrzehnten nicht mehr umgezogen sind. Auch wenn es noch Oasen des Miteinanders zwischen Jung und Alt gibt - der Trend zur Trennung der Generationen schreitet voran. Das mag die Urlaubsplanung erleichtern und vielleicht auch den Alltag. Doch die gegenseitige Toleranz wird weiter schwinden. Bis man nicht nur die andere Generation, sondern einfach den Nächsten nicht mehr ertragen kann.

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