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WAZ: Kritiker, nicht Kumpel. Kommentar von Detlef Fechtner

Essen (ots) - Die EU-Kommission hat Recht: Es wäre zu einfach, die Schuld an der Finanzkrise allein größenwahnsinnigen Bankmanagern zu geben. Für das Banken-Beben, das Steuerzahler Milliarden kostete und Staaten an den Rand des Ruins trieb, sind auch andere verantwortlich, die versagt haben - allen voran die Aufsichtsräte. Sie hätten ihre Vorstände eigentlich kontrollieren und von leichtsinnigem Treiben abhalten müssen. Leider agieren Aufsichtsräte oft harmoniesüchtig und meiden Auseinandersetzungen mit dem Vorstand - oft aus falsch verstandener Zurückhaltung, denn viele Aufsichtsräte sind anderswo im Vorstand tätig und selbst daran interessiert, dass sich ihre Kontrolleure nicht allzu sehr einmischen.

Spätestens seit der Finanzkrise ist aber völlig unverständlich, warum Aktionäre und Arbeitnehmer das hinnehmen statt zu fordern, dass ihr wichtigstes Vertretungsorgan das Management schärfer beaufsichtigt. Nötig ist ein Wandel im Selbstverständnis des Aufsichtsrats. Er muss Kritiker des Vorstands sein, nicht Kumpel. Er darf nicht bloß Vergangenes absegnen. Er muss sich stärker dort einmischen, wo es um die Firmenzukunft geht.

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