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WAZ: Ab in die Druckerei! Kommentar von Jens Dirksen

    Essen (ots) - Fehlt nur noch, dass Fußballspiele demnächst wieder auf Aschen- statt auf Rasenplätzen ausgetragen werden, damit die Farbe des Islams nicht mit Füßen getreten wird . . . Bei Romanen, in denen sich erfundene Figuren abfällig über Moslems oder ihren Glauben äußern, scheint jetzt schon Mut dazuzugehören, sie zu veröffentlichen. Das suggeriert der Fall der Bochumer Autorin Gabriele Brinkmann.

      Doch bei solcher Selbstzensur ist auch Hysterie im Spiel, wie
sich schon bei der "Idomeneo"-Inszenierung in der Deutschen Oper
Berlin gezeigt hat: Die Wiederaufnahme der Mozart-Oper blieb
folgenlos, das Risiko war bloß vermutet. Auch die Schalker Fans
singen ja längst wieder ihre Hymne, die für ein paar Tage als
Gelsenkirchener "Mohammed-Lied" durch die Medien geisterte, bloß weil
der Prophet darin vorkommt.

      Also wäre ein bisschen Mut an der Zeit: Sofern sich Gabriele
Brinkmanns Krimi mit dem Thema "Ehrenmord" auf eine halbwegs ernst zu
nehmende Weise auseinandersetzt und solange sich die angebliche
Verletzung religiöser Gefühle auf die bislang bekannten Passagen
beschränkt, gehört das Buch veröffentlicht. Je eher, desto besser.

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