Arbeitgeberverband HessenChemie
Auftakt der regionalen Tarifverhandlung #Chemie26 in Hessen
Chemie-Tarifrunde 2026: Atempause jetzt!
Wiesbaden, 15. Januar 2026. Die chemisch-pharmazeutische Industrie startet die Tarifrunde 2026 in einer wirtschaftlich ernsten Lage. Der heutige Auftakt der regionalen Tarifverhandlungen in Hessen blieb ohne Ergebnis. Die Branche steht unter massivem strukturellen Druck, eine wirtschaftliche Trendwende ist nicht absehbar – vor diesem Hintergrund fordern die Arbeitgeber eine tarifpolitische Atempause.
"Die Chemiebranche erlebt die schwierigste Zeit seit Jahrzehnten“, sagt Holger Kison, Head of Group HR bei der Infraserv Höchst-Gruppe und Verhandlungsführer der hessischen Chemie-Arbeitgeber, gegenüber der Gewerkschaft IGBCE Hessen-Thüringen. „In der Branche bleibt derzeit kein Stein auf dem anderen. Darauf müssen wir tarifpolitisch reagieren.“
Nach der letzten Tarifrunde gab es noch Hoffnung auf eine wirtschaftliche Erholung. Diese hat sich nicht erfüllt. 2025 ist die Branche weiter geschrumpft. „Wir haben kein Wachstum, keinen Aufschwung und damit auch keinen Verteilungsspielraum“, so Kison. „In dieser Situation kann auch die Inflationsrate kein Maßstab für Tarifpolitik sein. Wir müssen uns an der wirtschaftlichen Realität unserer Betriebe orientieren.“
Die IGBCE Hessen-Thüringen fordert eine Erhöhung der Einkommen für die Tarifbeschäftigten und Auszubildenden, die deutlich über der Inflation liegt und damit die Kaufkraft stärkt, sowie Instrumente zur Beschäftigungssicherung.
Belastungen wirken nach
Der Tarifabschluss von 2024 wirkt bis heute nach. Mitten in der Krise wurden die Entgelte um insgesamt 6,85 Prozent erhöht. Diese Belastung schränkt die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit vieler Betriebe spürbar ein.
Gleichzeitig stehen die Unternehmen unter Druck – durch international nicht wettbewerbsfähige Arbeitskosten, steigenden Importdruck, neue Zölle, hohe Energiepreise, Bürokratie sowie eine schwache Nachfrage im In- und Ausland. Die Auslastung liegt auf historisch niedrigem Niveau. Hohe Kosten machen viele Produkte unrentabel, Chemieanlagen werden gedrosselt, stillgelegt oder dauerhaft geschlossen – insbesondere in der klassischen Chemie. Auch im Pharmabereich herrscht Stillstand; zusätzliche Unsicherheiten entstehen durch neue US-Zölle und bilaterale Preisverhandlungen mit der US-Regierung.
Die hessischen Zahlen unterstreichen die Lage: Innerhalb von vier Jahren liegt der Produktionsrückgang bei über 13 Prozent, der Umsatz ist binnen drei Jahren um mehr als 11 Prozent gesunken. Auch für 2026 erwarten die Unternehmen rückläufige Produktion und Umsätze sowie weniger Investitionen im Inland.
Produktivität als Schlüssel zur Wettbewerbsfähigkeit
Die Unternehmen haben lange alles darangesetzt, Arbeitsplätze zu sichern. Doch fehlt die Wettbewerbsfähigkeit, gerät auch Beschäftigung unter Druck. Sichere Arbeitsplätze entstehen nur dort, wo Unternehmen wirtschaftlich erfolgreich am Markt bestehen können. Ein zentraler Hebel dafür ist die Produktivität. Die Arbeitskosten sind gestiegen, während die Produktivität gesunken ist. Die Lohnstückkosten sind gegenüber 2015 um 48 Prozent höher – ein erheblicher Wettbewerbsnachteil, der sich in Hessen mit seinem hohen Lohnkostenanteil besonders stark auswirkt.
„Um im internationalen Wettbewerb wieder Boden gutzumachen, brauchen die Betriebe mehr produktive Arbeitstage“, sagt Dirk Meyer, Hauptgeschäftsführer von HessenChemie. „Mehr Anwesenheit, weniger Fehlzeiten und weniger tarifliche Abwesenheiten sind entscheidend, um Kosten zu stabilisieren und die Wettbewerbsfähigkeit zurückzugewinnen. Dafür braucht es einen Tarifabschluss, der entlastet statt belastet.“
Ausblick auf die weiteren Verhandlungen
Die Tarifverhandlungen für die rund 585.000 Beschäftigten in der chemisch-pharmazeutischen Industrie werden in den kommenden Tagen auf regionaler Ebene in den weiteren Tarifbezirken fortgesetzt. Ab dem 3. Februar 2026 sollen die Gespräche auf Bundesebene weitergeführt werden. Der aktuelle Tarifvertrag läuft am 28. Februar 2026 aus.
Über HessenChemie
Im Arbeitgeberverband HessenChemie sind 310 Mitgliedsunternehmen mit 105.000 Beschäftigten der chemisch-pharmazeutischen und kunststoffverarbeitenden Industrie sowie einiger industrienaher Serviceunternehmen zusammengeschlossen.
Roland Boros
Pressesprecher
Arbeitgeberverband Chemie und verwandte Industrien für das Land Hessen e.V. (HessenChemie)
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