Alle Storys
Folgen
Keine Story von BERLINER MORGENPOST mehr verpassen.

BERLINER MORGENPOST

Rechtsgeschichte geschrieben
Kommentar von Philipp Siebert zum Mordurteil gegen Kudamm-Raser

Berlin (ots)

Kurzform:

Der BGH bestätigte das Mordurteil gegen Hamdi H. Er hatte im Februar 2016 bei einem illegalen Autorennen durch die City West mit seinem Wagen das Auto eines Unbeteiligten gerammt und ihn - das darf man jetzt sagen - durch sein rücksichtloses Verhalten nicht nur getötet, sondern ermordet. In ähnlichen Fällen, die es bestenfalls nie mehr geben sollte, ermutigt es Richter hoffentlich, ähnlich hart zu urteilen. Denn Raser gefährden Leben. Wer mit aufheulendem Motor durch Tempo 30-Zonen fährt oder auf 170 Stundenkilometer auf dem Kudamm beschleunigt, bringt nicht nur sich, sondern auch andere in Gefahr. Das Urteil gegen Hamdi H. zeigt diesen Menschen, dass sie beim Messen ihres Egos etwas verlieren können, was ihnen vielleicht mehr wert als ihre Gesundheit ist: für lange Zeit ihre Freiheit.

Der vollständige Kommentar:

Die Zustimmung vor dreieinhalb Jahren war groß: Von einem "Mut machenden Beispiel" sprach Berlins Innensenator Andreas Geisel, von einer "klaren Kante" der damalige Polizeipräsident Klaus Kandt. Kurz zuvor waren die beiden Kudamm-Raser Hamdi H. und Marvin N., die im Februar 2016 bei einem illegalen Autorennen durch die City West einen Unbeteiligten töteten, nicht etwa wegen fahrlässiger Tötung, sondern wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Von "Rechtsgeschichte" war die Rede. Als der Bundesgerichtshof (BGH) das Urteil ein Jahr später jedoch kippte, blieben solche Reaktionen aus. Dabei waren sie nicht falsch, nur verfrüht. Denn es dauerte weitere Jahre, bis diese Rechtsgeschichte wirklich geschrieben wurde. Am Donnerstag war es dann soweit. Der BGH gab dem zweiten Versuch des Berliner Landgerichts in Teilen Recht und bestätigte zumindest das Mordurteil gegen Hamdi H. Er hatte damals mit seinem Wagen das Auto des Opfers gerammt und ihn - das darf man jetzt sagen - durch sein rücksichtloses Verhalten nicht nur getötet, sondern ermordet. Das Lob, das nach dem ersten Urteil den Berliner Richtern ausgesprochen wurde, ist nun angebracht. Denn klarer könnte die Kante, die Hamdi H. gezeigt wurde, nicht sein. In ähnlichen Fällen, die es bestenfalls nie mehr geben sollte, ermutigt es Richter hoffentlich, ähnlich hart zu urteilen. Denn Raser, egal ob auf Berlins Straßen oder in anderen Städten, gefährden Leben. Wer mit aufheulendem Motor durch Tempo 30-Zonen fährt oder auf 170 Stundenkilometer auf dem Kudamm beschleunigt, bringt nicht nur sich, sondern auch andere in Gefahr. Das Urteil gegen Hamdi H. zeigt diesen Menschen, dass sie beim Messen ihres Egos etwas verlieren können, was ihnen vielleicht mehr wert als ihre Gesundheit ist: für lange Zeit ihre Freiheit.

Pressekontakt:

BERLINER MORGENPOST

Telefon: 030/887277 - 878
bmcvd@morgenpost.de

Original-Content von: BERLINER MORGENPOST, übermittelt durch news aktuell

Weitere Storys: BERLINER MORGENPOST
Weitere Storys: BERLINER MORGENPOST
  • 17.06.2020 – 19:22

    Berlin braucht wieder Touristen / Kommentar von Joachim Fahrun zur neuen Werbekampagne für Berlin

    Berlin (ots) - Kurzform: Manchen Berlinern gefällt die Stadt gut im Moment. Keine Touristen, das bedeutet mehr Platz auf Straßen, Rad- und Gehwegen und freie Tische im Lieblingsrestaurant. Aber das Pandemie-bedingte Ausbleiben der Berlin-Besucher bedeutet eine Katastrophe für die Stadt. Tourismus, Gastronomie, Hotels und verwandte Dienstleistungen sind mit die ...

  • 16.06.2020 – 23:01

    Zwiespältige Bilanz / Kommentar von Isabell Jürgens zum Mietendeckel

    Berlin (ots) - Kurzform: Am 18. Juni vor einem Jahr hat der Berliner Senat die Eckpunkte eines Gesetzes verkündet, das die Wohnungsmieten in der Hauptstadt auf das zu diesem Zeitpunkt vertraglich vereinbarte Niveau einfriert. Die guten Nachrichten zuerst: Der von der Wohnungswirtschaft vorhergesagte Kollaps ist bisher ausgeblieben. Allerdings drohen den Vermietern die ...

  • 15.06.2020 – 22:33

    Mehr war nicht drin / Kommentar von Jens Anker zum Allgemeinen Sicherheits- und Ordungsgesetz

    Berlin (ots) - Kurzform: SPD, Grüne und Linke haben sich nach jahrelangem Streit auf die Reform des Allgemeinen Sicherheits- und Ordnungsgesetzes (Asog) geeinigt. Der nun vorgelegte Kompromiss stellt den kleinsten gemeinsamen Nenner dar. So fehlen dann auch im vorgelegten Gesetzestext Regelungen zum sogenannten finalen Rettungsschuss, der Fußfessel für ...