Paritätischer Wohlfahrtsverband

Wachstumsbranche Pflege: Paritätischer fordert politische Initiative gegen drohenden Pflegenotstand

Berlin (ots) - Als "Riese auf tönernen Füßen" bezeichnet der Paritätische Wohlfahrtsverband die Pflegebranche. Der Verband fordert sofortige und konkrete politische Initiativen, um den Pflegeberuf attraktiver zu gestalten und dem heraufziehenden Pflegenotstand entgegen zu wirken.

"Die beeindruckenden Mitarbeiterzahlen können nicht darüber hinwegtäuschen, dass wir dem wachsenden Bedarf nicht gerecht werden", relativiert der Vorsitzende des Paritätischen Eberhard Jüttner die aktuellen Statistiken des WifOR-Institutes zum Job-Boom in der Pflege. "Mit Blick auf die demografische Entwicklung steuern wir auf einen extremen Pflegenotstand zu. Wenn wir in Zukunft eine würdevolle Pflege für alle Menschen sicherstellen wollen, ist es höchste Zeit, entschlossen aktiv zu werden", so Jüttner.

Der Verband fordert von der Bundesregierung sofortige und konkrete politische Initiativen, um den Pflegeberuf attraktiver zu gestalten. "Um mehr Menschen für diesen anspruchsvollen Beruf gewinnen zu können, braucht es eine attraktivere Vergütung und Arbeitsbedingungen, die mehr Zeit am Menschen und damit auch mehr persönlichen Erfolg und Zufriedenheit ermöglichen", fordert Jüttner. Die Einführung eines Mindestlohns sei ein erster wichtiger Schritt gewesen. Nach wie vor schneide die Pflege jedoch im Wettbewerb um Nachwuchs gegenüber anderen Branchen, was Entlohnung und berufliche Entwicklungsmöglichkeiten angeht, schlecht ab. Schuld seien die unzureichenden Entgelte der öffentlichen Kassen. Für Sparmaßnahmen, wie die jüngsten Kürzungen der Bundesagentur für Arbeit bei den Umschulungen von Arbeitslosen zu Altenpflegern, bestehe in der Pflege keinerlei Spielraum. Es führe kein Weg daran vorbei, mehr Geld in das System zu bringen, so der Verbandsvorsitzende. "Die Gesellschaft muss sich entscheiden, was gute Pflege ihr wert ist."

Überfällig sei die sofortige Umsetzung des neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffs. "Der neue Pflegebedürftigkeitsbegriff bedeutet die Abkehr von der Minutenpflege hin zu einer Pflege, die sich endlich ausschließlich an dem tatsächlichen Unterstützungsbedarf des pflegebedürftigen Menschen orientiert. Es ist ein Skandal, wenn das Gesundheitsministerium dieses Vorhaben weiter in den Schubladen verstauben lässt, statt endlich Nägel mit Köpfen zu machen", kritisiert Jüttner.

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