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Krankschreibung ab Tag eins: Warum starre Regeln komplexe Probleme oft verschärfen
Ein Dokument
Seit dem 2. Juli 2026 ist klar: Wer sich krankmeldet, muss künftig schon ab dem ersten Tag ein Attest vorlegen, die telefonische Krankschreibung fällt weg. Die Koalition begründet das mit hohen Krankenständen und einem Wettbewerbsnachteil für Unternehmen. Der Hausärzteverband warnt dagegen vor einer „riesigen Bürokratiewelle“ in den Praxen – mit der Folge, dass ausgerechnet die Patientinnen und Patienten länger warten müssen, die wirklich Hilfe brauchen.
Ein Lehrstück dafür, wie Politik und Organisationen auf Druck reagieren: mit einer einfachen, harten Regel für ein Problem, das in Wahrheit viele Ursachen hat. Genau hier setzt Thomas Pisar in seinem neuen Buch „Komplexität als Stärke. Wie antifragile Organisationen mit Disruptionen besser werden“ (Wiley-VCH) an.
Pisar zeigt, warum Organisationen – und Staaten – ihre Fragilität oft an der falschen Stelle bekämpfen. Er nutzt dafür unter anderem das Cynefin-Framework und Nassim Talebs Konzept der Antifragilität und liefert damit auch das Bild, mit dem sich die aktuelle Reformdebatte einordnen lässt: Eine starre Regel gleicht einer Küstenmauer. Sie wirkt robust, hält lange – und bricht dann, wenn der Druck zu groß wird, gleich an ganz anderer Stelle. Die Maßnahmen sollten bei der heutigen Komplexität wie ein „Marschland“ angelegt sein, flexibel und sich anpassend. Wie Organisationen sich dieses Prinzip zu Nutze machen, darauf geht Pisar ausführlich in einem Buch ein.
Auch das aktuelle Reformpaket der Bundesregierung kann in seinen Beschlüssen aus Pisars Sicht mit einem positiven Beispiel aufwarten: Denn neben der verschärften Attestpflicht steht dort auch die geplante Genehmigungsfiktion – Anträge gelten künftig als bewilligt, wenn Behörden vier Monate lang nicht reagieren. Die Beweislast dreht sich um. Ein Beispiel, das zeigt, wie sich ein System auch anders, nämlich anpassungsfähiger, aufstellen kann.
Für Ihre Berichterstattung bieten wir an:
• Thomas Pisar als Interviewpartner zu Reformfähigkeit, Bürokratieabbau und Organisationsdesign in Zeiten multipler Krisen
• Ein Rezensionsexemplar von „Komplexität als Stärke“
• O-Töne zu aktuellen politischen und wirtschaftlichen Reformvorhaben aus Sicht der Komplexitätsforschung
Viele Grüße aus Weinheim
Kai Zöllig Professional Development Marketing
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