Islamic Relief Deutschland e.V.
Afghanistan 5 Jahre nach dem Truppenabzug nicht im Stich lassen
Islamic Relief Deutschland fokussiert die Gesundheitsversorgung
Köln (ots)
Fünf Jahre nach dem Ende des internationalen Militäreinsatzes steht Afghanistan weiterhin vor enormen humanitären Herausforderungen. Das Gesundheitssystem ist besonders stark unter Druck: Seit 2025 mussten mindestens 422 primäre Gesundheitseinrichtungen aufgrund von Finanzierungslücken schließen. Dadurch verloren schätzungsweise 3 Millionen Menschen den Zugang zu grundlegender Gesundheitsversorgung. Gleichzeitig leiden in diesem Jahr rund 3,7 Millionen Kinder unter fünf Jahren an akuter Mangelernährung. Die Kölner Hilfsorganisation Islamic Relief Deutschland verbessert deshalb insbesondere in abgelegenen Regionen Afghanistans den Zugang zu medizinischer Versorgung und Ernährungsangeboten.
"Als meine Tochter Mahdia anfing, an Gewicht zu verlieren und extrem geschwächt war, hatten wir große Angst. Wir befürchteten wirklich, dass sie nicht überleben würde", erzählt der 32-jährige Familienvater Nawroz aus Qoul Kohtar in der Provinz Bamyan. Doch Mahdia, 18 Monate alt, hat überlebt. "Alles änderte sich, als wir sie in das Gesundheitszentrum von Islamic Relief brachten. Dort erhielt sie eine kostenlose Behandlung und Nahrungsergänzungsmittel. Gott sei Dank ist Mahdia nach mehreren Besuchen gesund, kräftiger und nimmt von Tag zu Tag an Gewicht zu."
Nawroz ist erleichtert und sagt, dass die Ärzte Mahdias Gesundheitszustand sorgfältig beobachtet und ihm sowie seiner Ehefrau klare Anweisungen und Ratschläge gegeben haben, wie sie ihr Kind zu Hause pflegen und ihre Ernährung verbessern können. Solch eine ärztliche Betreuung ist für viele Familien in Afghanistan nicht möglich, denn das afghanische Gesundheitssystem ist stark überlastet und chronisch unterfinanziert. Um Kindern wie Mahdia und ihren Familien zu helfen, hat Islamic Relief Deutschland in besonders abgelegenen Dörfern in den Bezirken Waras und Saighan in der Provinz Bamyan zwei Gesundheitskliniken errichtet.
Muhsina, eine junge Mutter aus einem Dorf in Bamyan, erklärt: "Bevor Islamic Relief das örtliche Gesundheitszentrum gebaut hat, war das Leben für uns sehr schwer. Wir mussten weite Wege zurücklegen, nur um eine medizinische Grundversorgung zu erhalten, und es war eine echte Herausforderung, an Medikamente zu kommen. Doch seitdem das Zentrum gebaut wurde hat sich alles verbessert. Es liegt nur zehn Minuten von unserem Zuhause entfernt."
Am 30. August 2021 verließ das letzte US-Militärflugzeug den Flughafen Kabul und beendete damit den fast 20-jährigen internationalen Militäreinsatz, an dem auch die deutsche Bundeswehr beteiligt war. Fünf Jahre später ist die humanitäre Lage weiterhin angespannt. Klimabedingte Extremwetterereignisse, wirtschaftliche Not und die Rückkehr zahlreicher Menschen aus den Nachbarländern setzen die ohnehin fragilen Strukturen zusätzlich unter Druck.
Die beiden Kliniken von Islamic Relief bieten ein umfassendes Spektrum an grundlegenden Gesundheitsdienstleistungen an, darunter ambulante Sprechstunden, Ernährungsuntersuchungen und -behandlungen, Schwangerschaftsvor- und -nachsorge, Gesundheitsdienste für Mütter und Kinder, Unterstützung bei Routineimpfungen sowie psychosoziale Beratung. Damit verbessern die Kliniken den Zugang zu grundlegender medizinischer Versorgung für benachteiligte Bevölkerungsgruppen. Von den beiden Kliniken profitieren über 20.000 Menschen, insbesondere Mütter und Kinder.
Besonders in ländlichen und isolierten Regionen wie Bamyan ist die medizinische Versorgung prekär. Die erzwungene Rückkehr Hunderttausender Menschen aus Iran und Pakistan erhöht den Druck auf diese ohnehin fragilen Strukturen und die afghanische Gesellschaft zusätzlich. Rund 28 Millionen Menschen - mehr als die Hälfte der Bevölkerung Afghanistans - leben in Armut, wobei mittlerweile mehr als 80 Prozent der Haushalte verschuldet sind.
Um mehr solcher lebenserhaltenden Programme zu ermöglichen, muss die internationale Staatengemeinschaft ihre Unterstützung für das Land deutlich erhöhen. Denn rund 21,9 Millionen Menschen - fast die Hälfte der Bevölkerung - benötigen 2026 humanitäre Hilfe, darunter 11,6 Millionen Kinder. Auch die Müttersterblichkeit gehört zu den höchsten weltweit: Auf 100.000 Lebendgeburten sterben 521 Frauen.
Seit Anfang Juli 2026 läuft ein Projekt zur integrierten medizinischen Grundversorgung, Ernährungshilfe und psychologischen Betreuung für benachteiligte Bevölkerungsgruppen in der Provinz Samangan, das bis zum Herbst 2028 angelegt ist. Auch wird seit Juli 2026 die Stärkung des Kinderschutzes und der Familienunterstützung in der Provinz Nangarhar durch ein 12-monatiges Projekt von Islamic Relief Deutschland gefördert.
Islamic Relief Deutschland fordert mehr internationale Unterstützung für Afghanistan. Dazu erklärt die Organisation:
"Die Menschen in Afghanistan nach 20 Jahren Militäreinsatz im Stich zu lassen, ist für uns keine Option. Knapp eine Million Kinder sind schwer akut mangelernährt und in vielen abgelegenen Gemeinden müssen die Menschen stundenlang zu Fuß gehen, um Gesundheitsversorgung zu erhalten. Hier können wir als humanitärer Akteur gezielt ansetzen. Wir fordern die internationale Gemeinschaft auf, solidarisch zu handeln und den Menschen zur Seite zu stehen. Ein Leben in Sicherheit und Würde ist das Ziel. Wir hoffen, mit unseren Projekten vor Ort unseren Beitrag dazu zu leisten."
Trotz der Herausforderungen trägt internationale Hilfe weiterhin dazu bei, die humanitäre Versorgung in Afghanistan aufrechtzuerhalten - sie unterstützt Gesundheits- und Ernährungskliniken, steigert die landwirtschaftliche Produktivität und stärkt die Lebensgrundlagen. Doch acht Monate nach Jahresbeginn ist der humanitäre UN-Hilfsplan für 2026 nur zu 17 Prozent gedeckt. Während der Plan für 2021 fast vollständig finanziert war und humanitäre Organisationen im Jahr 2024 22,4 Millionen Menschen im Land erreichten, konnten sie bislang im Jahr 2026 nur 7,4 Millionen Menschen unterstützen.
Islamic Relief Deutschland und ihr internationales Hilfsnetzwerk fordern Regierungen weltweit dazu auf, die humanitäre und entwicklungspolitische Unterstützung für die Bevölkerung Afghanistans zu erhöhen, langfristige Lösungen für diese sich verschärfende Krise zu unterstützen und das Land beim Aufbau einer besseren Zukunft zu unterstützen.
Das Internationale Islamic Relief Netzwerk ist in zehn Provinzen von Afghanistan tätig und unterstützt dort die Bereiche Bildung, Gesundheitsversorgung, Existenzsicherung, Ernährung und Nothilfe, einschließlich der Unterstützung von Rückkehrenden aus Iran und Pakistan. Im vergangenen Jahr hat Islamic Relief landesweit über eine Million Menschen im Land zur Seite gestanden.
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