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30.09.2018 – 16:30

Stuttgarter Zeitung

Stuttgarter Zeitung: "Politik und Wirtschaft tragen zur Verrohung der Gesellschaft bei"

Stuttgart (ots)

Der Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), Reiner Hoffmann, macht Politik und Wirtschaft für die zunehmende Aggressivität der Gesellschaft im öffentlichen Raum mitverantwortlich. Die Ursachen der alltäglichen Grenzüberschreitungen seien vielschichtig. "Dass der Staat über Jahrzehnte in vielen Bereichen öffentliche Güter schlicht zu Tode gespart hat, trägt viel dazu bei", sagte er der "Stuttgarter Zeitung" und den "Stuttgarter Nachrichten" (Montagausgabe).

Auch in der Politikersprache zeigt sich eine wachsende Verrohung. Die Äußerung von Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU), Migration sei die "Mutter aller politischen Probleme", habe ihm "wieder einmal bewusst gemacht, wie gedankenlos und leichtfertig einige politische Persönlichkeiten mit Sprache umgehen und damit letztendlich Ressentiments fördern", kritisierte der DGB-Vorsitzende. "Das kann auch in aggressives Verhalten oder gar Gewalt münden."

Ähnlich sei in der Wirtschaft "etwas aus den Fugen geraten". Infolge des Dieselskandals sollten die Bürger für Fehler anderer geradestehen, Banken würden mit unvorstellbaren Milliardensummen gerettet, und Unternehmensvorstände hätten Rentenansprüche von 3000 Euro am Tag. "Solche Meldungen tragen zur Verunsicherung und zum Auseinanderdriften der Gesellschaft bei", sagte Hoffmann. "Es gibt so etwas wie ein Ohnmachtsgefühl und Kontrollverlust."

Am vorigen Freitag hatte der Gewerkschaftsbund gemeinsam mit Arbeitgebern, Religionsgemeinschaften, dem Sportbund und anderen Verbänden die Mitmach-Initiative "Deutschland #vereint" gestartet. Es gebe ein hohes Maß an zivilgesellschaftlichem Engagement für Courage, gegen Gewalt und Hass. "Dass die Mehrheit der Bevölkerung da täglich einen hohen Einsatz zeigt, geht mir zu sehr unter", sagte Hoffmann. "Diesen Menschen wollen wir mit unserer Initiative eine Bühne bieten."

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