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Mitteldeutsche Zeitung: Währungsunion Sarrazin räumt soziale Härten durch D-Mark-Einführung ein

Halle (ots) - Die Planung der Währungsunion, die heute vor 25 Jahren die Einführung der D-Mark in der DDR brachte, ist in einem Zustand großer Verunsicherung erfolgt. "Als die Mauer offen war, herrschte politisch zunächst die große Ratlosigkeit", sagte Thilo Sarrazin der in Halle erscheinenden Mitteldeutschen Zeitung (Mittwoch-Ausgabe). "Man wusste nicht, wie sich beispielsweise die politische Situation in der Sowjetunion entwickelt", erklärte Sarrazin, der damals als Referatsleiter im Bundesfinanzministerium maßgeblich die Währungsunion vorbereitete. "Als Zeitraum für eine Vorbereitung nahm ich ein Jahr an. Dies erschien mir damals kühn. Es ging dann noch viel schneller." Der spätere Berliner Finanzsenator verteidigte aber die vereinbarten Regelungen wie den generellen Umtauschkurs von 1:1. "Um die wahre Produktivität der Betriebe abzubilden, hätte man einen Wechselkurs von 1:6 bis 1:10 nehmen müssen. Die ohnehin niedrigen Löhne im Osten wären drastisch geschrumpft. Das wäre ökonomisch und politisch ein Unding gewesen." Dass es aber auch so zu sozialen Problemen gekommen ist, erklärt Sarrazin, der später vor allem als Autor umstrittener Bücher wie "Deutschland schafft sich ab" bekannt wurde, mit dem sehr hohen Tempo. "Anpassungen, die in Polen oder Tschechien in zehn Jahren vorgenommen wurden, durchliefen die neuen Länder in zwei bis drei Jahren - mit allen sozialen Härten wie der hohen Arbeitslosigkeit." Dass heutige wirtschaftliche Gefälle in Deutschland hält Sarrazin aber für unproblematisch. "Der Unterschied zwischen den amerikanischen Staaten Kalifornien und Tennessee ist größer als zwischen Bayern und Mecklenburg-Vorpommern."

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