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Lausitzer Rundschau: Das Doping-Geständnis des Ex-Telekom-Radprofis Bert Dietz Ausweg Amnestie

    Cottbus (ots) - Endlich hat ein deutscher Radprofi ausgepackt. Endlich ist an der Öffentlichkeit, was Insidern des Profiradsports längst klar war und was Hunderttausende Fans - auch eines Jan Ullrich - geahnt, aber nie wahr haben wollten: Doping ist offenbar auch beim Team Telekom über Jahre mitgefahren. Und hat den deutschen Vorzeige-Rennstall in der Weltspitze, an werbewirksame Positionen des Feldes bei Tour de France oder Giro d'Italia und letztlich auf das Siegerpodest gebracht - so wie es Sponsoren von den Assen erwarten. Der Leipziger Radprofi Bert Dietz hat Montagnacht mutig - ohne Rücksicht auf die für ihn nicht abzuschätzenden Folgen - reinen Tisch gemacht. Fazit: Seit Mitte der 90er-Jahre wurde Epo für ihn zur Grundausstattung im Rennalltag - verabreicht von den inzwischen suspendierten Telekom-Ärzten. Dabei vermied es Dietz, der einst zu den Edelhelfern von Bjarne Riis oder Jan Ulrich gehörte und selbst eine Vuelta-Etappe nach einer spektakulären Alleinfahrt gewann, mit dem Finger auf andere zu zeigen. Aber er hat von dem Frust - und damit vielleicht auch von dem Motiv für die Doping-Einnahme - gesprochen, wenn Jahr für Jahr zwanzig bisher unbedeutende Spanier oder Italiener wieder in die Profispitze vorgestoßen sind und das eigene harte Training ohne Erfolg geblieben war. Nach der Lesart von Bert Dietz, der als hochbegabter Amateur zu den Profis gewechselt war und dort zunächst - wie viele andere - gnadenlos abgehängt wurde, ist es selbst für ein Jahrhunderttalent wie Jan Ulrich unmöglich, die Tour de France nur mit Wasser und Brot zu gewinnen. So abwegig ist die Schlussfolgerung nicht. Und vor diesem Hintergrund erhellt sich auch Jan Ulrichs Aussage beim viel zu frühen Abschluss seiner Karriere, dass er nie jemanden betrogen habe. Weil in diesem Metier offensichtlich niemand betrogen werden kann. . . Das Doping-Geständnis von Bert Dietz erneut als die Beichte eines schwarzen Schafes abzutun, wäre töricht. Auch wird der deutsche Radsport das Problem nicht für sich allein lösen. Wenn die Führung des Teams T-Mobile inzwischen für seine Renner die Hand ins Feuer legt, dann wird es wohl auch damit leben müssen, auf den Tour-Etappen hinauf nach Alp d'Huez oder über den Col de la Madeleine oder in den spanischen Pyrenäen gezeigt zu bekommen, wo die Unterschiede liegen. Deshab ist der Weltradsportverband gefordert. Er sollte den Fall Dietz ernsthaft zum Anlass nehmen, sich endlich zu einer Amnestie für alle Dopingsünder durchzuringen. Bis zu einem Stichtag könnte jeder - ob Rennfahrer, Trainer, Betreuer oder Arzt - die Chance haben, auszupacken. Ohne, dass Tour-Siege oder Weltmeistertitel aberkannt werden. Ohne, dass berufliche Konsequenzen zu befürchten wären. Und nach dem Tag X müssten die Dopingstrafen drastisch erhöht werden. Damit würde sich die Chance bieten, endlich die Mauer des Schweigens zu brechen und den Dopingsumpf im Profiradsport trockenzulegen. Amnestie statt Strafverfolgung - der Versuch ist es wert.

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