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Lausitzer Rundschau: Zauberlehrlinge im Wald Zum massiven Kiefernspinner-Befall in der Lausitz

Cottbus (ots) - Es gibt eine ganze Menge guter Gründe, die chemische Keule aus dem Wald zu verbannen. Wald, das sollte vor allem Natur sein, auch wenn wirtschaftliche Aspekte heutzutage natürlich auch in weiten Teilen dieses Refugiums eine wichtige Rolle spielen. Was derzeit aber in der Lieberoser Heide abläuft, dass erinnert an eine "Partisanen-Aktion" von inzwischen verbeamteten Umweltschutz-Aktivisten. "Keine chemische Schädlingsbekämpfung in Naturschutzgebieten", sagt das zuständige Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit im fernen Braunschweig. Die Gegenwehr aus dem Spree-Neiße-Kreis und aus Potsdam ist halbherzig. Dass es sich bei den jetzt so massiv von Kiefernspinnern befallenen Wäldern in der Lausitz aber nicht um ein gewachsenes Naturreservat, sondern um einen anfälligen, monokulturellen Wirtschaftswald handelt, wird dabei völlig ausgeblendet. Die Kiefern-Plantagen in der Lieberoser Heide sind heute Teil eines Naturparks nicht wegen ihrer Schönheit und Einmaligkeit, sondern weil sie Teil eines ehemaligen russischen Truppenübungsplatzes waren, der in seiner Gesamtheit unter Schutz gestellt wurde. Es sieht so aus, als hätten es Naturschutz-Ideologen in der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises Spree-Neiße und in der Naturschutzbehörde des Landes in einer konzertierten Aktion genau auf das jetzige Szenario ankommen lassen. Damit wollen sie die Forstingenieure zum Waldumbau zwingen. Das ist ein riskantes Experiment. Kann sein, dass sich die Natur selber hilft und den auf lange Sicht tödlichen Kiefernspinner-Befall stoppt. Kann aber auch sein, dass der Schädlingsbefall in den kommenden Jahren aus dem Ruder läuft und auf andere Waldgebiete übergreift. Die Entscheider müssen in diesem Fall mögliche teure Schadenersatzklagen privater Waldbesitzer zumindest theoretisch einkalkulieren. Die Beteiligten, Naturschutzbehörden aller Ebenen und Forstleute, gehören jetzt dringend an einen Tisch. Sie müssen sich in die Augen sehen und gemeinsam entscheiden, wie mit der entstandenen Situation weiter umgegangen werden kann. Sonst ergeht es ihnen am Ende womöglich so ähnlich wie Goethes Zauberlehrling: "Die ich rief, die Spinner. Werd ich nun nicht los."

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