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20.01.2012 – 20:08

Lausitzer Rundschau

Lausitzer Rundschau: Zur Studie über Brandenburgs Wirtschaftsentwicklung nach 1990

Cottbus (ots)

Hat man sich erst einmal bequem eingerichtet in den selbst gestrickten Legenden, so ist die Annäherung an die Wirklichkeit ein Kraftakt. Dies gilt beim Blick auf das Vergangene im Privaten wie auch bei der Erörterung der öffentlichen Probleme. Beim Reden über die DDR führt dies dann zuweilen dazu, dass der Zuhörer den Eindruck gewinnen muss, Nachbarn hätten in ganz unterschiedlichen Ländern gelebt, obwohl sie gerade mal ein Maschendrahtzaun trennte. Aber der subjektiv getrübte Blick bezieht sich nicht nur auf die Realitäten im untergegangenen Arbeiter- und Bauernstaat. Er ist inzwischen Allgemeinplatz bei dem, was mit der so wenig zutreffend als Wende titulierten radikalen Umwälzung nach 1989 kam. Auch deswegen ist die vom Landtag Brandenburg eingerichtete Enquetekommission zu den Anfangsjahren des Bundeslandes von Bedeutung weit über Potsdam hinaus. Die Erkenntnisse zur wirtschaftlichen Entwicklung und das Nachdenken über die Gründe für die bis heute großen Probleme sind lehrreich. Denn nirgendwo sonst ist die Legendenbildung weiter vorangeschritten. Dies fängt mit dem weitverbreiteten Eindruck an, Politiker - insbesondere Landespolitiker - hätten tatsächlich entscheidenden Einfluss auf die Entwicklung gehabt. An der einen oder anderen Stelle mag ein Manfred Stolpe oder Kurt Biedenkopf den kleinen Unterschied gemacht haben. Tatsächlich aber haben weder Ministerpräsidenten noch Wirtschaftsminister viel vermocht. Daraus folgt fast schon zwingend, dass eine Vielzahl der staatlichen Aktivitäten wenig nützten, zuweilen sogar schadeten und dass dies aus Sicht der Experten bis heute so bleibt. So wird in dem Rückblick nicht nur deutlich, dass all die einfachen Polemiken, die die Schuld für die Misere beispielsweise bei der Treuhand oder der Bundesregierung suchen, wenig taugen. Klar wird auch, dass zuweilen weniger staatlicher Aktionismus mit größerem Gewinn für alle verbunden gewesen wäre. Diese nüchterne, fachlich begründete Analyse, die die Wissenschaftler den Potsdamer Volksvertretern exemplarisch auch für die Kollegen in Dresden oder Schwerin ins Stammbuch schreiben, ist das passende Gegenmittel zur Vergiftung der politischen Diskussion.

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