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Lausitzer Rundschau: Grüner Kraftakt Partei trotz Dauer-Umfragehoch noch auf Konzeptsuche

Cottbus (ots) - Wenn derzeit die grüne Bundesprominenz in Ostdeutschland auftritt, ist nichts mehr übrig geblieben von dem missionarischen Eifer, mit dem sie sich früher um Anerkennung bemühte. Angesichts des bundesweiten Umfragehochs kann man davon ausgehen, dass sie in Magdeburg nicht allzu sehr um den Einzug in den Landtag bangen müssen. Und dann kommt ja im nächsten Herbst auch noch die Wahl in Berlin, bei der es darum gehen wird, ob die Partei erstmals einen Ministerpräsidenten stellt. Aber die derzeit so erfolgreiche Partei steht wie keine andere vor einem schwierigen Kraftakt und hat dafür noch nicht das richtige Konzept gefunden. Denn zwischen den Chancen bei Wahlen und ihrer personellen Ausstattung klafft eine gewaltige Lücke. In Potsdam etwa, wo sie in der Stadtverwaltung Mitverantwortung tragen, stellen die Grünen einen Dezernenten, der sich aus Sicht vieler Mitglieder längst als exemplarischer Betriebsunfall entpuppte. Dies ist auch wenig verwunderlich, wenn man weiß, dass Landesverbände wenige Hundert Mitglieder zählen und in so manchem Kreis die Zahl der Aktiven an einer Hand abgezählt werden kann. Die Partei, der man gemeinhin noch am ehesten die Fähigkeit zu innovativen, neuen Gedanken zutraut, wird ihren Mitgliederstamm auch mit Sicherheit nicht schnell genug wachsen sehen, wenn sie tatsächlich auch in den neuen Bundesländern bei Wahlen ein stärkeres Gewicht erlangen sollte. Sie muss sich also fast zwangsläufig überlegen, wie sie sich auch für politisch interessierte Menschen weiter öffnet, die nicht ohne Weiteres bereit sind, gleich einen Aufnahmeantrag zu unterschreiben. Diese Herausforderung zu meistern, ist die vielleicht wichtigste Aufgabe, die sie im Osten derzeit hat. Denn das bei den Grünen zugespitzte Problem der unzureichenden Mitgliederentwicklung treibt ja auch alle anderen Parteien um. Und angesichts der weitverbreiteten Parteiverdrossenheit, die wiederum gepaart ist mit der Bereitschaft zum Engagement im Protest, hat die Entwicklung in den demokratischen Parteien auch erhebliche Auswirkungen auf das demokratische Leben insgesamt. Insofern wäre es wünschenswert, dass auch der mit stolz geschwellter Brust agierenden Bundesspitze weiterhin klar bleibt, welch gewaltigen zusätzlichen Anstrengungen in den neuen Bundesländern weiterhin auf sie warten.

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