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Schavan: Merkels Verzicht auf Parteivorsitz kam nicht spontan
Frühere Bundesministerin gegen konservativere Ausrichtung der CDU

Berlin (ots) - Nach den Worten der ehemaligen CDU-Politikerin Annette Schavan hat sich die scheidende Bundeskanzlerin Angela Merkel lange vor den beiden Landtagswahlen im Herbst zum Verzicht auf den Parteivorsitz entschlossen. "So eine Entscheidung trifft man nach 18 Jahren nicht spontan nach schlechten Wahlergebnissen", sagte Schavan der taz. Es sei Merkel um ein neues Kapitel in der CDU gegangen. So passe es zu ihr. "Denn sie gehört zu den Menschen, die wissen, dass sie nicht unsterblich sind."

Schavan gilt als Vertraute der Bundeskanzlerin und scheidenden CDU-Vorsitzenden Merkel. Kurz vor dem Bundesparteitag in Hamburg warnte die frühere Bundesbildungsministerin ihre Partei vor einer Abkehr von der politischen Mitte. "Das irritiert mich, die ich auf eine sehr selbstverständliche Art immer konservativ gewesen bin. Dass manche denken, wenn sie den Markenkern der CDU stärken wollen, könnten sie vor allem über das Konservative kommen", sagte sie der taz. "Die haben die Vorstellung, wir müssten mit so einer konservativen Revolution mal wieder Ordnung schaffen. Dann ist alles nicht mehr so kompliziert." Dies sei jedoch ein "großer Irrtum".

Merkels Entscheidung, im September 2015 die deutschen Grenzen nicht zu schließen, nannte Schavan "die Stunde der Wahrheit". Die CDU habe immer ein christliches Menschenbild vertreten.

Deshalb hätte Merkel nicht anders handeln können. "Dann wäre das C beschädigt worden", sagte Schavan. Hätte Merkel ihren Schritt im Nachhinein für falsch erklärt, wäre das für die CDU "verheerend" geworden.

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