Familienfeste, Ausflüge, Treffen - und ein oft übersehenes Risiko: Keuchhusten bei Erwachsenen
München (ots)
- Keuchhusten tritt ganzjährig auf, wird bei Erwachsenen oft nicht erkannt und kann unbemerkt auf Säuglinge übertragen werden.
- Säuglinge und Neugeborene sind besonders gefährdet, da sie noch keinen vollständigen Impfschutz haben und schwer erkranken können.
- Schutz bietet die Impfung in der Schwangerschaft und die Auffrischimpfung enger Kontaktpersonen (Cocooning).
Mit den wärmeren Monaten beginnt die Zeit der Begegnungen: Besuche von Familie und Freunden, Feiern und Urlaubsreisen bringen Menschen wieder näher zusammen. Was dabei oft übersehen wird: Mehr Kontakte bedeuten auch mehr Möglichkeiten für die Übertragung von Krankheitserregern. Dazu gehört Keuchhusten (Pertussis) - eine Erkrankung, die ganzjährig auftritt und bei Erwachsenen häufig unbemerkt bleibt.[i] Für Neugeborene und Säuglinge kann sie jedoch gefährlich werden. Gerade für werdende Mütter ist es daher wichtig zu wissen, wie sie ihr Baby bereits vor der Geburt schützen können und warum auch das Umfeld dabei eine entscheidende Rolle spielt.
Keuchhusten - keine reine Kinderkrankheit
Keuchhusten ist eine hochansteckende bakterielle Atemwegserkrankung, die durch Tröpfcheninfektion beim Husten, Niesen oder Sprechen übertragen wird. Nach einer Inkubationszeit von 9 bis 10 Tagen beginnt sie oft unscheinbar mit erkältungsähnlichen Symptomen wie Schnupfen, leichtem Husten und wenig oder keinem Fieber. Im weiteren Verlauf entwickelt sich häufig ein lang anhaltender Husten, der über Wochen bis Monate dauern kann. Typisch sind dabei starke, anfallsartige Hustenattacken.[i] Bei Erwachsenen verläuft die Erkrankung oft milder und äußert sich vor allem als länger anhaltender Husten, wodurch sie leicht unbemerkt bleibt.[i] Für Säuglinge kann Keuchhusten hingegen schwer verlaufen und mit Atemproblemen und Komplikationen verbunden sein.[i] Deshalb ist es wichtig, Präventionsmaßnahmen frühzeitig im Blick zu haben. Erwachsene sind häufig unerkannte Überträger von Keuchhusten. Vor allem bei Personen, deren letzte Keuchhusten-Impfung mehrere Jahre zurückliegt und der Schutz dadurch nachgelassen hat, verläuft die Erkrankung oft unspezifisch und wird nicht sofort als Keuchhusten erkannt.[i] Statt der typischen Symptome stehen anhaltender Husten oder milde Beschwerden im Vordergrund, sodass häufig keine gezielte Diagnostik erfolgt. Dabei sollte bei Husten, insbesondere wenn er länger als zwei Wochen anhält oder von Symptomen wie anfallsartigem Husten, Erbrechen nach Hustenattacken oder pfeifenden Atemgeräuschen begleitet wird, auch an Keuchhusten gedacht werden.[i] Eine rechtzeitige Auffrischimpfung kann das Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf deutlich senken und schützt nicht nur einen selbst, sondern auch das Umfeld - besonders die Kleinsten.[ii]
Besonderes Risiko für Neugeborene und Säuglinge
In den ersten Lebensmonaten verfügen Neugeborene noch nicht über einen eigenen vollständigen Impfschutz und sind daher auf den sogenannten Nestschutz angewiesen. Dabei handelt es sich um einen natürlichen Schutz, der durch Antikörper der Mutter entsteht, die bereits während der Schwangerschaft auf das Kind übertragen werden.[ii] Dieser vorübergehende Schutz kann das Neugeborene in den ersten Wochen nach der Geburt vor Infektionen schützen, lässt jedoch im Verlauf der Zeit nach und ersetzt keine eigene Immunisierung.[ii] Neugeborene und junge Säuglinge haben ein besonders hohes Risiko für schwere Verläufe. Keuchhusten kann bei ihnen zu lebensbedrohlichen Atemaussetzern führen.[iii],[iv] Säuglinge stellen die am stärksten betroffene Altersgruppe dar und haben ein erhöhtes Risiko für schwere Verläufe und Hospitalisierung.[iii],[v] Deshalb ist es besonders wichtig, Keuchhusten bei Kontaktpersonen zu erkennen und Kinder von Geburt an zu schützen. Obwohl es 2024 in Deutschland und Europa ein Rekordhoch an Keuchhusteninfektionen gab,[iii] ist nur jedes zweite Neugeborene bei der Geburt durch die Impfung der Mutter geschützt: Im Jahr 2024 lag die Impfquote bundesweit bei 51%.[vi]
Prävention: Schutz beginnt vor der Geburt
Angesichts des besonderen Risikos für die Kleinsten und der oft unbemerkten Infektionsverläufe bei Erwachsenen ist eine konsequente Prävention bedeutend. Die Impfung gegen Keuchhusten ist eine wirksame Maßnahme, um das Risiko für Neugeborene zu reduzieren. Für werdende Mütter wird sie von der STIKO in jeder Schwangerschaft empfohlen und stellt einen wichtigen Baustein zum Schutz des Neugeborenen dar.[vi] Die Impfung sollte idealerweise im dritten Trimenon erfolgen, um das Neugeborene in den ersten Lebenswochen zu schützen, bevor es selbst aktiv immunisiert werden kann.[ii] Ergänzend wird empfohlen, auch enge Kontaktpersonen frühzeitig in den Blick zu nehmen. Dazu gehören insbesondere Personen mit regelmäßigem Säuglingskontakt wie Eltern, Großeltern oder Babysitter. Erwachsene erhalten die Impfung einmalig im Rahmen der nächsten fälligen Tetanus-Auffrischimpfung, sofern sie zuvor keine Keuchhusten-Impfung im Erwachsenenalter erhalten haben.[vii] Dieses Vorgehen ist Teil des sogenannten Cocooning-Konzepts, bei dem das Neugeborene durch immunisierte Kontaktpersonen im Umfeld indirekt mitgeschützt wird. Ziel ist es, Übertragungen im direkten Umfeld zu verhindern, bis das neue Familienmitglied selbst geimpft werden kann. So entsteht ein unsichtbarer, aber wirkungsvoller Schutzraum - genau da, wo der Start ins Leben beginnt und Nähe am wichtigsten ist.
Nutzen Sie den nächsten Besuch bei Ihrem Fach- oder Allgemeinarzt, um Ihren Impfpass prüfen zu lassen. Gut geschützt können Sie die Zeit mit Ihren Liebsten unbeschwert genießen. Informieren Sie sich bei Ihrem Hausarzt oder Ihrer Hausärztin über Ihr individuelles Risiko. Mehr Informationen unter: https://www.impfen.de/impfungen/keuchhusten/
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NP-DE-PTU-PRSR-260003, 05/2026
Referenzen:
[i] RKI Ratgeber - Pertussis. Verfügbar unter: https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Merkblaetter/Ratgeber_Pertussis.html
[ii] RKI Faktenblatt Impfungen in der Schwangerschaft (Schwerpunkt Pertussis) 2021. Unter: Kurz und Knapp, Faktenblätter zum Impfen: Impfungen in der Schwangerschaft (rki.de).
[iii] RKI, Epid Bull 48/2024.
[iv] Centers of Disease Control and Prevention (CDC), https://www.cdc.gov/pertussis/hcp/clinical-signs/index.html Zugriff 05/2026.
[v] Campbell H, et al. Emerg Infect Dis 2012;18(1):38-48.
[vi] RKI, Epid. Bull. 50/2025.
[vii] RKI, Epid. Bull. 04/2026.
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