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UNICEF: "Die syrische Krise ist eine Krise der Kinder"

UNICEF: "Die syrische Krise ist eine Krise der Kinder"
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"Die syrische Krise ist eine Krise der Kinder" Acht Jahre Bürgerkrieg in Syrien / Internationale Hilfskonferenz in Brüssel - Über fünf Millionen syrische Kinder brauchen humanitäre Hilfe

Brüssel/Köln, 14. März 2019 // Acht Jahre nach dem Beginn des Bürgerkriegs gibt es kein syrisches Kind mehr, das nicht von Gewalt, Tod, Vertreibung und Not betroffen ist. Obwohl die Kämpfe in weiten Teilen des Landes zurückgegangen sind, muss in einigen Regionen weiter mit Gewaltausbrüchen und Vertreibungen gerechnet werden. Laut UNICEF wurden allein im vergangenen Jahr 1.106 Tötungen von Kindern verifiziert - mehr als in jedem anderen Jahr seit Beginn des Konflikts. Die tatsächliche Zahl der Kinder unter den Opfern ist noch viel höher. Auch wo die Waffen schweigen, sind Millionen Kinder von Minen und Blindgängern bedroht, leiden unter Kälte und Armut, fehlender medizinischer Versorgung und können nicht zur Schule gehen.

Alarmierend ist aktuell die humanitäre Lage für über 65.000 Menschen im Lager Al Hol im Nordosten Syriens. Sie sind aus ehemals vom sogenannten Islamischen Staat kontrollierten Gebieten geflohen. Darunter sind auch schätzungsweise 3.000 Kinder aus 43 Nationen, deren Familien sich Milizen angeschlossen hatten. UNICEF ruft die betroffenen Regierungen dazu auf, für diese Kinder, die ihre Bürger sind oder von Staatsangehörigen geboren wurden, Verantwortung zu übernehmen. Die Kinder dürfen nicht staatenlos werden und es müssen Maßnahmen für eine nachhaltige Wiedereingliederung in die Gesellschaft entwickelt werden.

Anlässlich der am 13. und 14. März in Brüssel stattfindenden internationalen Hilfskonferenz ruft UNICEF die Regierungen zu planbaren, flexiblen und langfristigen Hilfszusagen für Syrien und die Nachbarländer auf. Nur so kann die dramatische Not der Familien verringert und mittelfristig eine Stabilisierung der Situation erreicht werden. Investitionen in Schutz und Bildung von Kindern und Jugendlichen sind notwendig, um den zerstörten sozialen Zusammenhalt der Gesellschaft etwas entgegen zu setzen.

"Die syrische Krise ist heute eine Krise der Kinder", erklärte Christian Schneider, Geschäftsführer von UNICEF Deutschland. "Jedes syrische Kind, dem wir den Besuch einer Schule oder eine Ausbildung ermöglichen, ist ein Hoffnungsträger dafür, dass die Rückkehr zu einem friedlichen Zusammenleben möglich ist."

"Die Versorgungslage der 6 Millionen Binnenvertriebenen und über 5 Millionen Flüchtlingen in den Nachbarländern ist weiterhin dramatisch. Darunter leiden vor allem die Kinder. Wir müssen der jungen Generation eine Zukunftsperspektive geben. Bildung ist dazu der Schlüssel. Gemeinsam mit UNICEF investiert das Entwicklungsministerium daher in Schulbildung und Ausbildung für syrische Kinder. Über 1,4 Millionen Kindern und Jugendlichen konnten wir so allein im vergangenen Jahr helfen. Die Unterstützung für UNICEF in Syrien und Irak setzen wir fort und stellen 131 Millionen für dieses Jahr bereit", sagt Dr. Gerd Müller, Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung und Leiter der deutschen Delegation auf der Syrien-Konferenz. "Darüber hinaus unterstützen wir Mädchen und Jungen, die traumatischen Erlebnisse von Krieg und Flucht zu verarbeiten. 2018 war das tödlichste Jahr für Kinder in Syrien. Viele von ihnen sind bei Angriffen auf Schulen umgekommen. Über 300.000 Jungen und Mädchen konnten wir bereits mit psychosozialer Hilfe unterstützen", so Minister Müller weiter.

Auch wenn die Gewalt in Syrien in Teilen des Landes zurückgegangen ist, gibt es auch acht Jahre nach dem Beginn des Bürgerkriegs keine echte Hoffnung für die Kinder:

- Schwerste Kinderrechtsverletzungen - darunter Rekrutierungen, Entführungen, 
  Tötungen und Verstümmelungen - gehen weiter. UNICEF schätzt, dass 3,3 
  Millionen Kinder in ihrer Umgebung direkt von Minen und Blindgängern bedroht 
  sind.
- Die Zahl der Angriffe auf Schulen (120) und Krankenhäuser (142) war im 
  vergangenen Jahr die höchste, die seit dem Beginn des Bürgerkriegs in einem 
  Jahr registriert wurde. Vor allem an den Frontlinien wurde 2018 der Einsatz 
  von 806 Kindersoldaten dokumentiert - die tatsächlichen Zahlen sind viel 
  höher.
- Es gibt derzeit zwar keine belagerten Ortschaften mehr, aber immer noch leben 
  rund 360.000 Kinder in sogenannten "schwer erreichbaren Gebieten", zu denen 
  Hilfsorganisationen nur selten und unter größten Schwierigkeiten Zugang haben.
- Wo nicht mehr gekämpft wird, ist vielfach die lebensnotwichtige Infrastruktur 
  wie Schulen, Krankenhäuser, Wasserwerke schwer beschädigt oder zerstört. Drei 
  von fünf Kindern in Syrien sind auf humanitäre Hilfe angewiesen. Weil Familien
  verarmt sind, nehmen sie Kinder aus der Schule, schicken sie arbeiten, 
  verheiraten sie früh oder erlauben es, dass sie sich als Soldaten oder Kämpfer
  rekrutieren lassen.
- In den Nachbarländern, die seit acht Jahren rund 80 Prozent aller syrischen 
  Flüchtlinge beherbergen, brauchen weiter 2,5 Millionen Kinder und Jugendliche 
  Hilfe. Die Unterstützung für die Sozialsysteme der Aufnahmeländer muss deshalb
  dringend weitergehen und verstärkt werden - insbesondere beim Schutz der 
  Kinder und bei der finanziellen Unterstützung der ärmsten Familien.
- Seit Beginn des Bürgerkriegs wurden nach Schätzungen von UNICEF etwa eine 
  Million syrische Flüchtlingskinder außerhalb des Landes geboren. Viele von 
  ihnen droht Staatenlosigkeit, da sie nach der Geburt nicht offiziell 
  registriert wurden. Für die rund vier Millionen Kinder, die seither innerhalb 
  Syriens geborenen wurden, sieht die Zukunft ohne eine politische Lösung des 
  Konflikts düster aus.

"Im heutigen Syrien ist die Toleranz, die Städte und Gemeinden normalerweise zusammenhält, durch Gewalt, Trauer, Rache und Verlust zerstört. Aus der Sicht von UNICEF sind gezielte Programme für Kinder und Jugendliche zur Stärkung des sozialen Zusammenhalts notwendig, um einen Neuanfang zu ermöglichen," sagte Christian Schneider.

UNICEF hilft zusammen mit vielen Partnern Millionen Kindern in Syrien, Jordanien, Irak, Libanon, in der Türkei und Ägypten. Das BMZ ist eine der wichtigsten Stützen dieser Arbeit. Für die Hilfe im Bereich Gesundheit, Bildung, bei Wasserversorgung sowie Kinderschutz und psychosozialer Hilfe werden 2019 insgesamt 1,2 Milliarden US-Dollar benötigt.

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UNICEF Deutschland, Rudi Tarneden 0221/93650-235, E-Mail:  presse@unicef.de.