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Medien-Info: Maritime Aktionswoche: Massive Missstände auf Schiffen in deutschen Seehäfen – überlange Arbeitszeiten, ausstehende Löhne sowie Mängel bei Ernährung und Internetverbindungen belasten die Seeleute

Maritime Aktionswoche: Massive Missstände auf Schiffen in deutschen Seehäfen – überlange Arbeitszeiten, ausstehende Löhne sowie Mängel bei Ernährung und Internetverbindungen belasten die Seeleute

Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) hat bei ihren gemeinsam mit der Internationalen Transportarbeiter-Föderation (ITF) im Rahmen der diesjährigen maritimen Aktionswoche in deutschen Seehäfen durchgeführten Kontrollen an Bord von Seeschiffen massive Missstände festgestellt, zum Beispiel überlange Arbeitszeiten, ausstehende Löhne und abgelaufene Arbeitsverträge sowie Probleme bei der Verpflegung, beim Internetzugang und den Einrichtungen an Bord. Die ITF-Inspektoren - unterstützt von ver.di-Mitgliedern, Hafenarbeitern und Freiwilligen - haben fast 40 Schiffe in acht deutschen Seehäfen (Bremen, Bremerhaven, Brake, Wedel, Hamburg, Lübeck, Wismar und Rostock) aufgesucht und dabei über 500 Seeleute befragt.

„Überlange Arbeitszeiten geben weiterhin Anlass zu großer Sorge; besonders besorgniserregend ist die Situation auf Zubringer-Schiffen, auf denen Inspektoren feststellten, dass Seeleute mehr als 300 Stunden im Monat arbeiteten“, sagte Sven Hemme aus dem ver.di-Bereich Internationale Maritime Wirtschaft. „Seeleute sind keine Maschinen. Unternehmen dürfen die Besatzungen nicht ständig über das Zumutbare hinaus belasten und dann Müdigkeit als unvermeidbaren Teil des Lebens auf See abtun. Sichere und ausreichende Ruhezeiten sind kein Luxus – sie sind grundlegend für die Gesundheit der Seeleute und für die Sicherheit aller an Bord“.

Auf allen inspizierten Schiffen war ein Internetzugang verfügbar; die Bedingungen, unter denen Seeleute diese Verbindung nutzen konnten, variierten jedoch erheblich. Auf einem Schiff war das kostenlose Internetkontingent auf nur 16 MB begrenzt; danach mussten Seeleute 30 US-Dollar für 5 GB bezahlen. Am anderen Ende der Skala erhielten Seeleute auf anderen Schiffen bis zu 100 GB kostenloses Datenvolumen oder sogar unbegrenzten Zugang.

Hinsichtlich der Lebensbedingungen an Bord wurden schwerwiegende Probleme auf einzelnen Schiffen festgestellt. Zwar wurden die Verpflegungsbedingungen im Allgemeinen positiv bewertet, obwohl die Inspektoren Engpässe bei Lebensmitteln und Vorräten sowie Bedenken hinsichtlich Frische, Lagerung und Hygiene feststellten. Die meisten der begutachteten Unterkünfte und Freizeiteinrichtungen wurden als gut oder akzeptabel bewertet, doch stießen die Inspektoren auch auf schwerwiegende Mängel. Auf einem Schiff berichteten sie von unhygienischen Zuständen in der Kombüse, im Essraum, in den Toiletten, Duschen und Mannschaftskabinen, während Freizeiteinrichtungen gänzlich fehlten.

Die ITF und ver.di fordern die Reeder auf, Verantwortung für die Gewährleistung menschenwürdiger Arbeits- und Lebensbedingungen an Bord zu übernehmen. Hemme abschließend: „Seeleute verlangen keine Sonderbehandlung. Sie fragen aber, warum Dinge, die für Arbeitnehmer an Land als normal gelten – angemessene Arbeitszeiten, faire Bezahlung, die Möglichkeit, Kontakt zu ihren Familien aufzunehmen, anständiges Essen, qualitativ hochwertiges Wasser sowie angemessene Wohn- und Ruheräume –, zur Ausnahme werden sollten, nur weil sie auf See arbeiten.“

Für Rückfragen: Sven Hemme, +49 15127037384

V.i.S.d.P.

Richard Rother
ver.di-Bundesvorstand
Paula-Thiede-Ufer 10
10179 Berlin

Tel.: 030/6956-1011, -1012
E-Mail: pressestelle@verdi.de
 www.verdi.de/presse
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