ver.di Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft
Medien-Info: ver.di-Umfrage zeigt: Beschäftigte in Jobcentern arbeiten selbst an der Belastungsgrenze – Ursache ist vor allem akuter Personalmangel
Ver.di-Umfrage zeigt: Beschäftigte in Jobcentern arbeiten selbst an der Belastungsgrenze – Ursache ist vor allem akuter Personalmangel
Fast 85 Prozent der Beschäftigten in Deutschlands Jobcentern beschreiben ihre persönliche Arbeitsbelastung als hoch bis sehr hoch. Bei knapp jedem zweiten Beschäftigten fallen mehrfach pro Woche Überstunden an, bei jedem Siebten sogar täglich. Und fast sieben von zehn Jobcenter-Beschäftigten geben an, bereits gesundheitliche Auswirkungen ihrer belastenden Arbeitssituation zu spüren – jeder Achte denkt daher über einen Jobwechsel nach. Dies sind zentrale Ergebnisse einer umfassenden bundesweiten Beschäftigtenbefragung der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di), an der sich fast 7.000 Beschäftigte aus rein kommunalen oder gemeinsam mit der Bundesagentur für Arbeit betriebenen Jobcentern beteiligt haben. Die Umfrage war offen für ver.di-Gewerkschaftsmitglieder ebenso wie für Nicht-Mitglieder und erlaubt damit einen tiefen Einblick in die reale Beschäftigungssituation (siehe Link unten).
Als Gründe für ihre Überlastung nennen drei Viertel der Befragten den eklatanten Mangel an Personal und die daraus resultierenden zu hohen Fallzahlen pro Kopf. Für mehr als 70 Prozent ist auch der dauernde Reformdruck durch die Politik, die in kurzen Zeitabständen Systemumstellungen vornimmt, eines der dringendsten Probleme.
„Genau eine solche Umstellung steht jetzt wieder an“, sagte die stellvertretende ver.di-Vorsitzende Christine Behle am Dienstag. Denn vom 1. Juli 2026 an gilt die im vorigen Jahr beschlossene Reform beim bisherigen Bürgergeld – jetzt: „Grundsicherung“ –, die verschärfte Regeln für Leistungsbeziehende sowie mehr Prüf- und Beratungsaufwand und höhere Dokumentationspflichten für die Beschäftigten der Jobcenter mit sich bringt. „Die Jobcenter sind darauf nicht ausreichend vorbereitet, weil ihnen weder genügend Personal noch die nötigen Ressourcen zur Verfügung gestellt wurden“, kritisierte die ver.di-Vizechefin. „Für viele Menschen führt das von der jetzt schon akuten Überlastung direkt in die Gesundheitsgefährdung – bis hin zum Burn-out.“
Die aktuelle Reform der Grundsicherung werde wegen des steigenden Drucks sowohl auf die Leistungsempfängerinnen und -empfänger als auch auf die Jobcenter-Beschäftigten eher mehr Konflikte produzieren als den eigentlichen Zweck, die rasche Integration in den Arbeitsmarkt, wirksam zu befördern, warnte Gewerkschafterin Behle.
Behle forderte von Bund und Kommunen, ihrer Verantwortung gerecht zu werden und die Personalbemessung in den Jobcentern der Arbeitsrealität anzupassen. Nur so könnten die Einrichtungen ihren Aufgaben nachkommen: „Die Befragung zeigt sehr deutlich, dass die Beschäftigten ihre Tätigkeit als wichtig einschätzen und einen guten Job machen wollen. Sie wissen, dass es bei der Grundsicherung um Existenzen geht, um Beratung in schwierigen Lebenslagen, um Teilhabe an der Gesellschaft. Aber ihnen wird die Möglichkeit genommen, die Qualität zu liefern, die sie jeden Tag anstreben.“
Neben einer deutlichen Aufstockung des Personals in den Jobcentern brauche es eine Entlastung von bürokratischen Aufgaben und eine Stärkung der Integrationsarbeit. „Nur gute Arbeitsbedingungen in den Jobcentern bringen auch gute Arbeitsmarktintegration für die Leistungsberechtigten“, sagte die ver.di-Vizevorsitzende Behle.
Bei Rückfragen: Julia Böhnke, Bundesfachgruppenleiterin Sozialversicherung, +49 151 2008 5087
Die kompletten Daten zur ver.di-Beschäftigtenbefragung in den Jobcentern gibt es unter: https://notbremse-jobcenter.de/
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Jan Thomsen ver.di-Bundesvorstand Paula-Thiede-Ufer 10 10179 Berlin Tel.: 030/6956-1011, -1012 E-Mail: pressestelle@verdi.de www.verdi.de/presse