ver.di Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft
Jahrespressegespräch 2026: Tarifpolitik muss Wirtschaft in Schwung halten – ver.di-Vize Kocsis: „Lohnzurückhaltung ist die falsche Medizin“
Jahrespressegespräch 2026: Tarifpolitik muss Wirtschaft in Schwung halten – ver.di-Vize Kocsis: „Lohnzurückhaltung ist die falsche Medizin“
Mit einem klaren Bekenntnis zur Durchsetzung von Reallohnsteigerungen geht die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) in das Tarifjahr 2026. Steigende Tariflöhne spielten eine zentrale Rolle für die Erholung der deutschen Wirtschaft. „Für das Jahr 2026 wird eine Rückkehr zu einem vorsichtigen Wachstum der deutschen Wirtschaft prognostiziert. In dieser Situation wäre es grundfalsch, die Bremsen anzuziehen und Tariflöhne stagnieren zu lassen, denn genau das würde die Erholung der Wirtschaft gefährden. Lohnzurückhaltung ist die falsche Medizin“, sagte die stellvertretende ver.di-Vorsitzende Andrea Kocsis am Freitag in Berlin.
Angesichts der schwachen Exportentwicklung und der anhaltenden Unsicherheit im Welthandel sei eine deutliche Erhöhung der Binnennachfrage durch den privaten Konsum notwendig, so Kocsis weiter: „Dies funktioniert nur, wenn auch die Einkommen der Beschäftigten deutlich steigen.“ Deshalb sei es entscheidend, im Tarifjahr 2026 mit den Arbeitgebern starke Lohnerhöhungen zu vereinbaren.
In wichtigen Tarifbereichen von ver.di bestehe trotz Stabilisierung der Inflationsrate auch weiterhin erheblicher Nachholbedarf. Besonders stark von den Preissteigerungen der vergangenen Jahre betroffen seien Menschen mit niedrigen bis mittleren Einkommen. Kocsis betont: „Für Menschen, die über kein hohes Einkommen verfügen, machen Ausgaben für Miete, Nahrungsmittel und Energie den Großteil ihrer Ausgaben aus. Ihre inflationsbedingten Verluste der letzten Jahre werden wir in unseren Tarifforderungen berücksichtigen.“ Zwischen 2019 und 2025 ist das Preisniveau bei Nahrungsmitteln um 39,1 Prozent und – trotz jüngster Preisrückgänge – bei Energie um 36,8 Prozent gestiegen.
Im Jahr 2026 verhandelt ver.di die Entgelte für Millionen Beschäftigte in umsatz- und gewinnstarken Branchen. Ab April werden im Tarifbereich Einzelhandel die Entgelte für drei Millionen Beschäftigte verhandelt. Diese Branche verzeichnete im Jahr 2025 ein Umsatzplus von 3,8 Prozent. Ebenfalls im April beginnen die Tarifverhandlungen bei der Deutschen Telekom. Der Konzern erwartet für das Jahr 2025 eine erneute Steigerung des Gewinns. Im Oktober folgen zudem die Verhandlungen für das hochprofitable private Bankgewerbe, zu dem unter anderem die Deutsche Bank gehört. Die Bank hat letzte Woche einen Rekordgewinn von 9,7 Milliarden Euro vor Steuern verkündet.
Zum Ende des Jahres geht es mit Hochdruck in die Vorbereitungen für die Anfang 2027 anstehenden Verhandlungen im öffentlichen Dienst bei Bund und Kommunen sowie bei der Deutschen Post AG.
Überblick 2026: Große Tarifrunden (mehr als 50.000 betroffene Beschäftigten)
- Öffentlicher Dienst (Länder), 2,2 Mill. Beschäftigte (Kündigungstermin: 31. Oktober 2025)
- Wach- und Sicherheitsbranche, 250.000 Beschäftigte (Kündigungstermin: 31. Dezember 2025)
- TvöD Landesbesch. Hessen – TV-H, 55.000 Beschäftigte (Kündigungstermin: 31. Januar 2026)
- Deutsche Telekom, 62.000 Beschäftigte (Kündigungstermin: 31. März 2026)
- Einzelhandel Hessen, BaWü, Saarland, 765.000 Beschäftigte (Kündigungstermin: 31. März 2026)
- Einzelhandel, div. Bundesländer, 1.964.000 Beschäftigte (Kündigungstermin: 30. April 2026)
- Groß- und Außenhandel, 1,2 Mill. Beschäftigte (Kündigungstermin: 30. April 2026)
- Einzelhandel Berlin und SAT, 415.000 Beschäftigte (Kündigungstermin: 31. Mai 2026)
- Einzelhandel Brandenburg, 80.000 Beschäftigte (Kündigungstermin: 30. Juni 2026)
- Druckindustrie, 134.000 Beschäftigte (Kündigungstermin: 31. Juli 2026)
- Privates Bankgewerbe, 140.000 Beschäftigte (Kündigungstermin: 30. September 2026)
- Deutsche Post AG 170.000 Beschäftigte (Kündigungstermin: 31. Dezember 2026)
(ver.di hat rd. 24.000 gültige Tarifverträge im Bestand; rund 1.600 TV/Jahr neu)
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Jan Jurczyk ver.di-Bundesvorstand Paula-Thiede-Ufer 10 10179 Berlin Tel.: 030/6956-1011, -1012 E-Mail: pressestelle@verdi.de www.verdi.de/presse