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Realität statt Cyborg-Klischee: So stellt KI Menschen mit Prothesen richtig dar

Realität statt Cyborg-Klischee: So stellt KI Menschen mit Prothesen richtig dar
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Realität statt Cyborg-Klischee: So stellt KI Menschen mit Prothesen richtig dar.

Prothesennutzer, Ottobock und Microsoft schaffen offene Bilddatenbank für authentischere KI-Bilder.

Mittwoch, 22. Juli 2026

Künstliche Intelligenz kann viel, aber Menschen mit Behinderung abbilden geht oft schief. Wer von einer KI Bilder von Menschen mit Prothesen erstellen lässt, erhält häufig verzerrte Darstellungen: Cyborgs, Science-Fiction-Figuren oder anatomisch falsche Körper statt realistischer Alltagsszenen im Büro, auf dem Spielplatz oder beim Sport. Die Ursache liegt in den Trainingsdaten: Menschen mit Behinderung kommen darin zu selten vor oder werden einseitig dargestellt.

Gemeinsam mit Prothesennutzenden möchte Ottobock diese Lücke schließen und veröffentlicht deshalb heute die #DearAI Community Library: einen frei verfügbaren Bilddatensatz, der KI-Systemen realistischere Darstellungen von Menschen mit Arm- und Beinprothesen ermöglicht. Microsoft hat den Aufbau der Plattform technologisch unterstützt.

„Für uns geht es nicht nur um bessere KI-Bilder. Es geht darum, wer in der digitalen Welt von morgen sichtbar ist – und wer nicht“, sagt Martin Böhm, Chief Experience Officer bei Ottobock. „KI prägt zunehmend, wie Menschen und ihre Lebensrealitäten wahrgenommen werden. Deshalb darf Vielfalt nicht an der Schwelle zur künstlichen Intelligenz verloren gehen. Mit der #DearAI Community Library tragen wir dazu bei, dass Menschen mit Behinderungen auch in KI-generierten Bildern selbstverständlich und authentisch repräsentiert werden.“

Unsichtbar in KI-Bildern.

Eine wissenschaftliche Auswertung von 2025[i] zeigt: Bei 444 KI-generierten Bildern von 37 Berufen war keine einzige Person mit sichtbarer Behinderung abgebildet. Wenn Behinderung in KI-generierten Darstellungen überhaupt vorkommt, dominiert der manuelle Rollstuhl. Die Lebensrealität von Menschen mit Amputation, angeborenen Fehlbildungen von Armen oder Beinen (Dysmelie) und anderen Behinderungen bleibt weitgehend unsichtbar.

Das ist mehr als ein Darstellungsproblem. KI-generierte Bilder werden zunehmend für Werbung, Medien, Präsentationen und soziale Netzwerke genutzt. Die Reichweite der Technologie ist enorm: Aus von Google veröffentlichten Nutzungszahlen[ii] lässt sich ableiten, dass allein über die Nano-Banana-Modelle zuletzt rund 200 Millionen Bilder pro Tag generiert wurden. Dadurch beeinflussen KI-Systeme immer stärker, welche Menschen, Berufe und Lebensrealitäten sichtbar werden. Wissenschaftliche Untersuchungen[iii] zeigen, dass verzerrte Darstellungen bestehende Stereotype verstärken und gesellschaftliche Vielfalt nur unzureichend abbilden können.

„Millionen Menschen nutzen jeden Tag KI – und so beeinflussen die Ergebnisse der Modelle unsere Sicht auf die Welt”, sagt Agnes Heftberger, CEO Microsoft Deutschland und Österreich. „Menschen mit Behinderungen oder Amputationen müssen selbstverständlich ihren Platz in KI-generierten Bildern haben, damit sie sichtbar sind.” Microsoft hat sich in den Responsible AI Principles eigene Richtlinien gegeben, wie KI verantwortungsvoll und sicher entwickelt und genutzt werden sollte. Heftberger: „Inklusivität ist ein sehr wichtiger Faktor für verantwortungsvolle KI. Wir bringen aus voller Überzeugung unsere technologische Kompetenz ein, um Betroffenen eine authentische Repräsentation nach ihren Vorstellungen zu ermöglichen.”

Der KI zeigen, wie echtes Leben aussieht.

Auch Andreas Onea kennt verzerrte Darstellungen aus eigener Erfahrung. Der Paralympics-Schwimmer, Bronzemedaillengewinner von Rio 2016 und TV-Moderator verlor als Kind bei einem Autounfall seinen linken Arm. Als zu Beginn des KI-Hypes viele Menschen Bilder von sich als Action-Figur generieren ließen, wollte auch Onea diesen Trend ausprobieren. Doch die KI verweigerte zunächst die Darstellung, angeblich wegen eines Verstoßes gegen Inhaltsbestimmungen. Nach mehreren Versuchen entstand zwar ein Bild mit seinem Namen, aber nicht mit seinem Körper: Die Figur hatte einen halben Arm mehr. „Das war klar nicht ich“, sagt Onea.

Für ihn zeigte diese Erfahrung, wie schnell fehlende Repräsentation zu fehlender Teilhabe wird. Deshalb brachte er seine Perspektive in die Entwicklung der Community Library ein. „Wer nicht sichtbar ist, findet nicht statt“, sagt Onea. „Wir wollen der KI zeigen: Menschen mit Behinderungen sind Teil unserer Welt und unserer Gesellschaft. Wir sind dabei, wir tragen etwas bei – und genau das muss auch in KI-Bildern sichtbar werden.“

Trainingsdaten für eine inklusivere KI.

Die #DearAI Community Library folgt einem Grundgedanken, der Ottobock in seinen Kampagnen leitet: nicht über Menschen sprechen, sondern mit ihnen. Für die Entwicklung der Bilddatenbank hat das Unternehmen eine internationale Gruppe von Prothesennutzenden eingebunden. Auf einer von Microsoft bereitgestellten Plattform definierten sie Kriterien für realistische und respektvolle Darstellungen.

Mehr als 60 Teilnehmende aus aller Welt reichten Bilder und Videos ein, die anschließend gesichtet, ausgewählt und annotiert wurden. Entstanden sind zwei Bibliotheken mit insgesamt rund 800 für KI-Systeme nutzbaren Bildern: eine zeigt Menschen mit Behinderungen an den oberen Gliedmaßen, die andere an den unteren Gliedmaßen.

Die neue Bilddatenbank ist das Herzstück der Kampagne #DearAI, in der sich ProthesenträgerInnen direkt an die KI wenden und ihre Lebensrealität zeigen, darunter Fechtmeisterin Bebe Vio, Bergsteiger Hari Budha Magar und Hochspringer Ezra Frech. Mit der neuen Initiative setzt Ottobock sein Engagement für Sichtbarkeit und Inklusion im digitalen Raum fort.

Nach den Kampagnen #IamAMountain, #TheUnofficialDiscipline und #InvisibleClass richtet das Unternehmen den Blick nun auf die Darstellung von Menschen mit Behinderungen in generativer KI und schafft eine konkrete technologische Lösung für das Problem: Die Bilddatenbank ist ab sofort kostenfrei unter https://huggingface.co/ottobock verfügbar und richtet sich an alle, die mit KI arbeiten – von Forschung und Entwicklung über Marken und Kreativagenturen bis hin zu einzelnen Creatorn.

Weitere Informationen zur Initiative unter „Dear AI“ von Ottobock. Für eine inklusivere KI.

[i] Sadeghiani, 2025, JEOD, 14(1): 119–130 / Generative AI Carries Non-Democratic Biases and Stereotypes: Representation of Women, Black Individuals, Age Groups, and People with Disability in AI-Generated Images across Occupations - JEOD

[ii] Berechnung auf Basis von Google-Angaben: mehr als 50 Mrd. mit Nano Banana generierte Bilder (Google I/O, 19.05.2026) gegenüber rund 5 Mrd. Bildern im Oktober 2025.

[iii] Mack et al., 2024, ACM CHI / “They only care to show us the wheelchair”: disability representation in text-to-image AI models | Proceedings of the 2024 CHI Conference on Human Factors in Computing Systems

Über Ottobock
Der börsennotierte, globale MedTech-Champion Ottobock vereint über 100-jährige Tradition mit herausragender Innovationskraft in den Bereichen Prothetik, Neuro-Orthetik und Exoskelette. Ottobock entwickelt innovative Versorgungslösungen für Menschen mit eingeschränkter Mobilität und treibt die Digitalisierung der Branche voran. Gegründet 1919 in Berlin, ist das Unternehmen mit fast 9.300 Mitarbeitenden (Vollzeitkräften) heute mit seinem Geschäft in 45 Ländern aktiv und betreibt das größte internationale Patientenversorgungsnetzwerk mit rund 420 Patientenversorgungszentren weltweit. Mit einer starken F&E-Quote im Produkt- und Komponentengeschäft und mehr als 2.600 Patenten und Patentanmeldungen prägt Ottobock die Human Bionics-Landschaft der Zukunft. Die Mission, die Bewegungsfreiheit, Lebensqualität und Unabhängigkeit von Menschen zu verbessern, ist tief in der DNA des Unternehmens verwurzelt – wie auch sein gesellschaftliches Engagement: Seit 1988 ist Ottobock Partner und Unterstützer der Paralympischen Spiele.  
Nadine Winter
Public Relations Managerin
Corporate Communications
Ottobock SE & Co. KGaA
Prenzlauer Allee 242 | 10405 Berlin | Germany
Telefon +49 1511 888 3507
E-Mail  nadine.winter@ottobock.de
 www.ottobock.com
Impressum
Ottobock SE & Co. KGaA, Firmensitz: Duderstadt, Deutschland, Handelsregister & -nummer: Amtsgericht Göttingen, HRB 205339; phG: Ottobock Management SE, Firmensitz: Duderstadt, Deutschland, Handelsregister & -nummer: Amtsgericht Göttingen, HRB 205183;
Vorsitzender des Verwaltungsrats: Professor Hans Georg Näder; Geschäftsführende Direktoren: Oliver Jakobi (CEO/CSO), Dr. Arne Kreitz (CFO), Martin Böhm (CXO), Arne Jörn (COO/CTO); Vorsitzender des Aufsichtsrats der Ottobock SE & Co. KGaA: Dr. Bernd Bohr