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Rheinische Post: Desaster in Paris

    Düsseldorf (ots) - Von Matthias Beermann

    So etwas nennt man einen ganz bösen taktischen Schnitzer: Dominique de Villepin, Frankreichs Premierminister und erklärter Napoleon-Schwärmer, hat auf den Überraschungsangriff gesetzt. Die Zeit drängte. Noch ein gutes Jahr, dann finden in Frankreich Präsidentenwahlen statt, an denen Villepin siegreich teilzunehmen gedachte. Bis dahin wollte der Premier mit ein paar Erfolgen glänzen, am liebsten da, wo die Franzosen der Schuh am meisten drückt: bei der Jugendarbeitslosigkeit. Also befahl er seiner Parlamentsmehrheit wie ein Feldmarschall die Abschaffung des Kündigungsschutzes für Berufsanfänger. Doch was als schneidiger Husarenritt an der Job-Front geplant war, wird durch die Studenten-Unruhen immer mehr zum Polit-Desaster. Villepin ist drauf und dran, seine Schlacht zu verlieren, vielleicht wird sie sogar sein Waterloo. Schon wird es einsamer um den Feldherrn, der sich eigentlich nur noch aussuchen kann, wie er untergeht  schmählich oder mit fliegenden Fahnen. Gibt Villepin der Straße und auch dem wachsenden Druck aus dem eigenen Lager nach und zieht seine Reform zurück, sind seine Tage als Premier wohl gezählt. Bleibt er hart, dürften seine Chancen als Präsidentschaftskandidat ebenfalls gegen Null sinken.

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