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Rheinische Post: Von acht zu vier Augen (berichtigte Fassung)

    Düsseldorf (ots) - Von Gregor Mayntz

    Vierunddreißig Tage - und die große Koalition steht. Das war 1966, als Union und SPD zum ersten Mal das Bündnis wagten. Dieses Mal wird es deutlich länger dauern. Denn während vor vier Jahrzehnten wichtige gemeinsame Vorhaben sozusagen auf der Straße lagen (Notstandsgesetze), waren dieses Mal beide Parteien bis zum Wahltag nicht nur auf verschiedenen Wegen, sondern auch noch bei wichtigen Themen in entgegengesetzte Richtungen unterwegs. Damit das Zusammengehen klappen kann, bedarf es einer besonderen Dramatik, damit für jeden begreiflich wird, wie schwer es fällt, Positionen zu räumen. Eine Kostprobe liefern die Spitzentreffen. Erst erscheint eines als ausreichend, dann sollen es lieber zwei sein, nun glaubt man, drei zu brauchen, und das letzte mit open end bis in die Nacht hinein. Damit am Montag die Parteivorstände grünes Licht für Koalitionsverhandlungen geben können, müssen Merkel, Stoiber, Schröder und Müntefering aus dem Acht-Augen-Gespräch eine Vier-Augen-Einigung machen: Denn jeder wird ein Auge zudrücken müssen, damit es gelingt. Und selbst dann darf niemand Illusionen über die Bestandskraft dieses Bündnisses haben. Es ist die für den Augenblick plausibelste Antwort auf den Wählerwillen. Sobald eine Seite eine andere Koalition für machbar hält oder sich Vorteile aus Neuwahlen ausrechnen kann, ist das Intermezzo vorbei.

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