Rheinische Post

Rheinische Post: Wulff hat gesprochen

Düsseldorf (ots) - Ein Kommentar von Sven Gösmann:

Wann endet das Fremdeln des Bundespräsidenten mit seinem Amt und damit auch das Fremdeln seines Volkes mit ihm? Die zum Ereignis stilisierte Rede am Tag der Deutschen Einheit sollte die Wende für Christian Wulff bringen. Es ist noch nichts geworden. Wulff hat zwar eine für seine rhetorischen Möglichkeiten ordentliche Rede gehalten. Doch er und seine Berater wurden bei der Konzeption dieser Ansprache von der öffentlichen Erwartung erdrückt, so dass Wulff mitunter buchstäblich die Stimme wegblieb. Der Präsident versuchte, es zu vielen recht zu machen: Wo es nur einer klaren Aussage zur Deutschen Einheit, zur Leistung von Ost- und Westdeutschen beim Zusammenwachsen unserer Nation bedurft hätte, wollte Wulff auch noch das große Thema seiner Amtszeit bestimmen. Doch dann wiederholte er zur Integration von Migranten nur viel Richtiges, was vor ihm schon andere gesagt hatten. Anders formuliert: Der Bundespräsident reihte seine Stimme in den Chor der Sarrazin-Kritiker ein. Das tat er wenig originell und spät. Es macht es nicht besser, dass die verhinderten Bundespräsidenten Gauck im Berliner Landesparlament und Bundestagspräsident Lammert bei seiner Feierstunde vor dem Brandenburger Tor Wulff in einen "Sänger-Wettstreit" (Gauck) trieben, den er als Dritter beschloss.

Pressekontakt:

Rheinische Post
Redaktion

Telefon: (0211) 505-2303

Original-Content von: Rheinische Post, übermittelt durch news aktuell

Weitere Meldungen: Rheinische Post

Das könnte Sie auch interessieren: