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Rheinische Post: Sarrazin gebührt Dank

Düsseldorf (ots) - Nein, an dieser Stelle keine weitere Abrechnung mit dem sich um seine Reputation quatschenden Genforscher Thilo Sarrazin. Vielmehr gebührt ihm Dank, dass er auf ein entscheidendes Problem aufmerksam macht. Denn der Integrations-Theoretiker Sarrazin überspringt jene Wahrnehmungsschwelle, an der Integrations-Praktiker wie Lehrer, Polizeibeamte, Sozialarbeiter oder Ärzte stets scheiterten, ehe sie sich wieder an ihre Aufräumarbeit am unteren Ende der Wohlstandspyramide machten. Ja, es gibt ein Problem mit Folgen der Einwanderung. Das kann man nicht wegschweigen. Auch nicht wie die Kanzlerin mit dem immergleichen Mantra "Bildung, Bildung, Bildung" weglächeln. Es stellt sich auch die Frage nach Sanktionswillen und -möglichkeiten der Mehrheitsgesellschaft, die sich nicht von Minderheiten dominieren lassen will. Ebenso gilt es, Befürchtungen der Bevölkerung aufzunehmen. Ein von den Menschen wahrgenommenes Problem erledigt sich nicht durch Nichtbehandlung im öffentlichen Raum. Dass erst der Irrläufer Sarrazin kommen musste, um es auf die Agenda zu setzen, ist ein Armutszeugnis für jene Eliten, die sich über ihn empören, deren Lebenswirklichkeit Begegnungen mit Migranten jedoch vorrangig als Besuch beim Edel-Italiener vorsieht. Nein, Sarrazin darf getrost gehen, seine Fragen müssen bleiben.

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