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Rheinische Post: Die Zeit verstehen - Von LOTHAR SCHRÖDER

    Düsseldorf (ots) - Erst Jens, Wapnewski und Höllerer, jetzt Walser, Lenz und Hildebrandt. NSDAP-Mitglieder sie alle, zumindest laut Karteikarte. Ausgerechnet herausragende Intellektuelle der Bundesrepublik werden als Mitläufer und jugendlich Verführte erkannt. Und hämisch schwingt in jeder neuen Namensnennung die Frage mit: "Auch du, mein Sohn Brutus?"

    Die Suche nach historischer Wahrheit verträgt keine Polemik. Und erst recht keine Anklage, wenn Beweise wie die Unterschrift unter einem Aufnahmeantrag fehlen. Wer Walser, Lenz und Hildebrandt eine wissentliche Mitgliedschaft in der Partei der Nazis einfach unterstellt, verfügt über die Betroffenen auf ähnliche Weise schamlos, wie es die Braunhemden vor sechs Jahrzehnten taten. Dennoch ist die Debatte über die deutsche Vergangenheit wichtig  und dass sie zu diesem späten Zeitpunkt aufflammt, überrascht nicht. Denn immer weniger Vertreter der so genannten Erlebnisgeneration können noch von Leid und Schrecken und ihrem eigenen Verhalten berichten. Vielleicht ist Aufklärung dafür ein allzu großes Wort, weil es auch darum geht, die Zeit zu verstehen. Aber genau deshalb dürfen die Zeitzeugen nicht mundtot gemacht werden.

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