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Weser-Kurier: Über Politikersprache schreibt Moritz Döbler:

Bremen (ots) - Zum wichtigsten Handwerkszeug eines Politikers gehört die Sprache. Mit ihr bestimmt er Meinungen - oder auch nicht. Wer Flüchtlinge als Flut, Welle oder Ansturm benennt, trifft eine politische Aussage. Wer wüsste das besser als der präzise, wortgewaltige Wolfgang Schäuble. Er ist keiner, der sich verspricht, und auch kein Demagoge. Wenn er in einem Atemzug von Flüchtlingen und Lawinen spricht, sollte man hinhören. "Lawinen kann man auslösen, wenn irgendein etwas unvorsichtiger Skifahrer an den Hang geht und ein bisschen Schnee bewegt", hat er gesagt. Kleine Fehler haben zuweilen kaum zu kontrollierende Folgen: Das stimmt, auch hier. Und Zuwanderung als "Rendezvous unserer Gesellschaft mit der Globalisierung" zu sehen, ist ebenso richtig, nicht zuletzt, weil sie so als unausweichlich begriffen wird. Nicht gegen Flüchtlinge wandte sich Schäuble, sondern gegen den unvorsichtigen Skifahrer oder vielmehr die Skifahrerin. Angela Merkel hat ein Schneebrett losgetreten und eine Lawine politischer Ereignisse ausgelöst, die sie und die Bundesregierung mitreißen kann. In dieser berechtigten Warnung steckt politische Sprengkraft, aber keine Geringschätzung der Flüchtlinge.

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